Energie - woher sie kommt und was tun, wenn sie fehlt

 

 

Energie. Unser universeller Antrieb. Aber was ist Energie überhaupt? Viele Menschen wissen genau was sie ist, wenn sie fehlt. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, keine Lust auf Bewegung, Heißhunger und eine höhere Stressanfälligkeit sind häufige Begleiterscheinungen eines Energiemangels. Oft können wir das schon nach einer schlaflosen Nacht beobachten und leicht durch ausreichende Bettruhe wieder ausgleichen. Was aber, wenn die Energielosigkeit anhält, auch mit genügend Schlaf? Wenn dann nur noch der Kaffee über den Tag hinweg retten kann und man sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich auf der Couch zu liegen? 

 

 

Eines verrate ich dir als Vorschau jetzt schon: Es gibt bessere Wege, als mit Schokolade und Kaffee das Energieloch zu füllen. ;-) 

 

Energie - was ist das eigentlich?

 

Der Begriff Energie hat seinen Ursprung im griechischen „Enérgeia“ und bedeutet Wirksamkeit. Schon Aristoteles erklärte Energie als die „Wirkkraft, durch die Mögliches in Seiendes übergeht.“

 

 

Allgemein gefasst wird Energie heute als „Fähigkeit oder Bereitschaft zur Verrichtung von Arbeit“ bezeichnet. 

 

 

Für uns bedeutet dass, nur wenn genug Energie vorhanden ist, kann unser Körper all seine Funktionen erfüllen, denn Energie ermöglicht allen Körperzellen zu arbeiten und zu leben. Jede unserer 30 Billionen Zellen im Organismus braucht sie. Alleine unser Gehirn benötigt am Tag ca. 200 g Glucose, das sind um die 820 Kalorien. Umso mehr wir unseren Denkapparat anstrengen müssen, desto höher steigt sein Energiebedarf. Herzschlag, Atmung, Zellfunktionen - alleine im Ruhezustand verbraucht dein Körper in jeder Sekunde Energie. Und Kalorien, das waren doch die fiesen Kerlchen, die die Kleidung enger machen, oder? In der Ernährungswissenschaft und Lebensmittelindustrie wird eine Kalorie dazu verwendet, um auszusagen, wie viel Energie der Körper durch ihre Verstoffwechselung gewinnen kann. Jedoch bleibt der Energieaufwand, den der Organismus dafür betreibt unberücksichtigt. Die Kalorienangaben sind also immer Bruttowerte.

 

woher bekommen wir die energie?

Die ursprünglichste Energiequelle des Lebens ist die Sonne. Durch ihre Strahlung nehmen Pflanzen Energie auf und wandeln sie durch Photosynthese (richtig, das hast du irgendwann schonmal im Biounterricht gehört ;-) )  in chemische Energie um, welche sie dann als Glucose (= Traubenzucker) speichern. Diese gespeicherte Glucose dient anderen Lebewesen als Energielieferant. Alle auf diesem Planeten existierenden Zellen nutzen die Verarbeitung von Glucose (= anaerobe Glykolyse) als Grundenergiequelle. Diese Art der Energiegewinnung hat sich in der Evolution sehr früh entwickelt und ist auch heute noch die Wichtigste.

 

Wie du nun vielleicht schon vermutest, ist die wichtigste Quelle für Energie unsere Nahrung.  Davon sind es die Makronährstoffe Protein (Eiweiß), Kohlenhydrate (Zucker und Stärke) und Fett, die als Energielieferanten dienen. Über mehrere Millionen von Jahren hat sich unser Organismus darauf spezialisiert aus natürlichen Lebensmitteln Energie zu gewinnen. Unsere Gene sind genau daran bestens angepasst. Urzeitliche Ernährungsbedingungen haben den Menschen zum Menschen gemacht und das obwohl (oder gerade weil) nur phasenweise Lebensmittel zur Verfügung standen. 

 

 

Hunger und Nahrungsmangel waren noch bis vor 80 Jahren die Norm. Und dennoch konnten die Menschen zu dieser Zeit körperlich schwere Arbeiten verrichten. Und heute haben wir trotz Nahrungsüberfluss, weniger harter Arbeit und einem geringen Energieverbrauch viel häufiger das Problem eines Energiemangels in der Bevölkerung.

Eiweiß & Kohlenhydrate liefern 4,1 Kalorien und Fett 9,3 Kalorien pro 1 g. Aber außer als Energiequelle, werden sie ebenso für viele weitere Funktionen gebraucht.
Eiweiß & Kohlenhydrate liefern 4,1 Kalorien und Fett 9,3 Kalorien pro 1 g. Aber außer als Energiequelle, werden sie ebenso für viele weitere Funktionen gebraucht.

was passiert im körper mit der nahrung?

 

Um Energie liefern zu können müssen die Nahrungsbestandteile zuerst durch die Verdauung zerkleinert und dann über den Blutkreislauf verteilt werden. 

 

Die Verdauung beginnt bereits im Mund. Durch das gründliche Kauen wird die Oberfläche der Nahrungsbestandteile vergrößert und Verdauungsenzyme im Speichel können besser arbeiten. Im sauren Magen beginnt die erste Aufspaltung von Proteinen durch die Magensäure. Außerdem werden Bakterien und Viren abgetötet, die möglicherweise mit der Nahrung aufgenommen wurden. 

 

Im Dünndarm spalten dann Verdauungsenzyme aus dem Pankreas die Nahrungsbestandteile komplett auf. Der Pankreas kann die Enzyme jedoch nur freisetzen, wenn der Organismus sich in einem entspannten Zustand befindet. 

 

Erst wenn die Makronährstoffe in ihre Einzelteile zerlegt wurden, können sie über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Eine gute Verdauung und die Art wie gegessen wird, entscheiden also als erstes darüber, ob die Energielieferanten überhaupt im Blutkreislauf ankommen oder ob sie im Darm bleiben und wieder ausgeschieden werden. 

 

Proteine werden in Aminosäuren, Kohlenhydrate in Glucose und Fette in Fettsäuren zerlegt. Alle Körperzellen nutzen am liebsten Glucose, denn diese Form der Energiegewinnung kennen sie bereits am längsten. Bis auf Nervenzellen und rote Blutkörperchen sind alle Zellen aber auch in der Lage Fette und Eiweiße als Energielieferanten zu nutzen, wobei Eiweiße eher als Baustoffe dienen und Fette die langfristigste Energiequelle darstellen. Ein flexibler Organismus kann problemlos zwischen diesen verschiedenen Energiequellen hin und her wechseln, denn in Zeiten des Mangels mussten wir in der Lage sein aus allem, was gerade da war ausreichend Energie zu gewinnen.

 

 

Unser Organismus hat dafür im Laufe der Evolution verschiedene Stoffwechselwege entwickelt, um jede dieser Quellen optimal nutzen zu können. Aus jedem der drei Moleküle (Aminosäuren, Fettsäuren, Glucose) kann unser Körper über unterschiedliche Wege ATP (Adenosintriphosphat) bilden. Dabei durchlaufen die Moleküle für sie spezifische enzymatische Reaktionen, werden aufgespalten und verbrannt, wobei (unter anderem) ATP als Endprodukt entsteht. Diese entscheidende Verbindung ist unser schlussendliches Benzin, welches für jeden Vorgang im Körper als Energie eingesetzt wird.

 

 

Heute sehen wir häufig das Problem eines unflexiblen Stoffwechsels, der nur noch mit Glucose gut zurechtkommt und andere Energiequellen nicht nutzen kann. Denn was unser Körper nicht braucht, baut er als Energiesparmaßnahme sehr schnell ab. Die Verbrennung von Fetten kann z.B. nur über die Mitochondrien in den Zellen funktionieren.

 

 

Stell sie dir vor wie kleine Energiekraftwerke, die Fettsäuren, Abfallprodukte aus der Verbrennung von Glucose und Aminosäuren in Energie umwandeln können. Am liebsten haben sie die Fettsäuren als Quelle, denn diese liefern am meisten ATP - einer der Gründe weshalb eine Mahlzeit aus Fett, Gemüse und Protein viel länger sättigt, als ein Schokoriegel oder ein Toastbrot. MItochondrien sind lebenswichtig für uns und entscheiden maßgeblich darüber, wie es um unseren Energiehaushalt steht. 

 

Wenn dich der genauere Vorgang nicht interessiert, dann kannst du das folgende Bild überspringen - ich persönlich finde solche Zusammenhänge extrem spannend. ;-)

 

Energiegewinnung links ohne Sauerstoff (=anaerob) aus Glucose und links mit Sauerstoff (=aerob) im Mitochondrium aus Fettsäuren, aber auch aus Resten (Laktat & Acetyl Co A) des anaeroben Stoffwechsels.
Energiegewinnung links ohne Sauerstoff (=anaerob) aus Glucose und links mit Sauerstoff (=aerob) im Mitochondrium aus Fettsäuren, aber auch aus Resten (Laktat & Acetyl Co A) des anaeroben Stoffwechsels.

 

Die Energiegewinnung aus Fetten ist abhängig von der Anzahl und Funktionsfähigkeit deiner Mitochondrien. Sie funktionieren nur gut, wenn du dich regelmäßig bewegst, ihnen damit den, für die Reaktionen notwendigen Sauerstoff lieferst und die richtigen Nährstoffe zur Verfügung stellst. Besonders gut werden sie bei nüchterner Bewegung trainiert, also wenn du ohne vorher etwas zu essen Sport machst oder einfach das Frühstück sehr großzügig nach hinten rausschiebst und erstmal in Bewegung bist. 

 

Wenn es jedoch immer ein Überangebot an Glucose gibt, gleichzeitig wenig Bewegung stattfindet und vielleicht auch noch ein Nährstoffmangel vorliegt, dann wird dein Körper sich darauf einstellen, Mitochondrien abbauen und folglich nur noch Glucose verlangen. 

 

Da Glucose zwar ein schneller, aber kein ausgiebiger Energielieferant ist, verlangt dein Körper kurz nach der Aufnahme schon wieder nach mehr. Genauer gesagt ist es das Gehirn, welches den Energiemangel als erstes signalisiert, obwohl eigentlich noch ausreichend Reserven vorhanden sind (Erklärung folgt weiter unten).

 

Dieser unflexible Stoffwechsel führt dann auch zu einem unflexiblen Immunsystem und einer unflexiblen Psyche. Alle Systeme fahren nur noch auf Sparflamme, was sich dann in häufigen Infekten, schlechter Wundheilung, Konzentrationsschwäche, Heißhunger, der Unfähigkeit längere Essenspausen zu tolerieren und den bekannten Symptomen eines Energiemangels äußert.

 

Wie wird die energie verteilt

 

Alle Nährstoffe gelangen vom Darm zuerst zur Leber, welche nun die Aufgaben der Umwandlung, des Entgiftens und der Energieverteilung erfüllt. Von dort werden die Moleküle über den Blutkreislauf an die restlichen Gewebe verteilt.

 

Nun muss die Glucose auch in die Zelle gelangen. Und dafür gibt es spezielle Transportsysteme. Unser Gehirn zB kann Glucose ungehindert durch Strömungskanäle (GLUT 1) in der Blut - Hirn - Schranke aufnehmen. Andere Organe wie Leber-, Muskel- oder Fettzellen haben auch Glucoseaufnahmekanäle (GLUT 4), jedoch öffnen diese sich nur wenn das Hormon Insulin andockt. 

 

 

Insulin ist eines der wichtigsten Botenstoffe in der Energieverteilung. Es wird vom Pankreas unter anderem ausgeschüttet, wenn wir Nahrung aufnehmen und hat viele verschiedene Funktionen. Es sorgt wie gesagt dafür, dass insulinabhängige Organe Energie aufnehmen können. Dem Insulinunabhängigen Gehirn signalisiert es, dass ausreichend Energie im Organismus vorhanden ist und die Leber keine Glucose freisetzen muss. Damit wird auch ein Sättigungsgefühl erzeugt. Ja, Insulin ist auch ein Sättigungshormon.

 

Insulin sagt also dem Gehirn „Es ist gerade genug Glucose im Blut, wir brauchen keinen Nachschub“. Es sagt den Muskel- und Fettzellen „Hey, macht mal die Tore auf, hier kommt Glucose als Energienachschub“ und der Leber „Bitte keine neue Glucose produzieren, es ist grade genug im Blut“. 

 

 

 

was passiert bei einem energiemangel?

 

Jede Zelle und jedes Organ misst sein Energielevel und meldet sich, wenn dieses sinkt. Mithilfe gewebespezifischer Botenstoffe kommuniziert die Zelle dann einen Bedarf und schickt eine Nachricht an das Gehirn ungefähr so: „Hey Gehirn ich brauch mal wieder Nachschub“ und das beauftragt mit Hilfe unserer Stresssachsen über Nervenbahnen und Hormone (Adrenalin & Cortisol) daraufhin die Leber, Glucose ins Blut freizusetzen. Richtig gelesen, bei einem Energiemangel werden unsere internen Stresssysteme aktiviert. Ist das schlecht? Nein, vollkommen normal. Wenn dein Körper keine Stresshormone mehr in dieser Situation freisetzt, dann ist die Kacke schon richtig am dampfen, denn dann folgt auch keine Energiefreisetzung und dein Körper ist im extremen Sparmodus = chronische Erschöpfung. Deine Stresssysteme sind genau dafür da: Energiebereitstellung. 

 

Die Leber setzt nun auf Signal des Gehirns Glucose frei. Diese Glucose ist in der Leber einerseits gespeichert und wird andererseits im Moment des Bedarfs aus freien Aminosäuren und Fettsäuren produziert, sollten die Speicher schon leer sein (denn die sind nicht groß). Dank dieser spezifischen Botenstoffe kommt die Energie dann auch genau dort an, wo sie gebraucht wird. Sinkt der Energiestand im Gehirn unter ein bestimmtes Level wird es zusätzlich zum Signal an die Leber auch ein Hungergefühl auslösen. 

 

Einige Organe bilden in der Energieverteilung eine Ausnahme, denn im Organismus wird alles nach biologischen Prioritäten gesteuert. Überlebenswichtige Organe stehen immer an erster Stelle. Den ersten Platz belegt dabei das Gehirn. In der Energieverteilung hat es immer die Oberhand und wird seine eigene Versorgung stets als Erstes sicherstellen. Weitere wichtige Organe sind Herz, Lungen, Leber und Nieren. Das Immunsystem hat erst höchste Priorität, wenn es aktiv wird und braucht dann enorm viel Energie. Dafür wird es dann sogar das Gehirn in dessen Energienachfrage beeinflussen. 

 

 

Unser Körper hat allerdings nur ein gewisses Energiekontingent. Deshalb dürfen nie zu viele Organe gleichzeitig einen hohen Energiebedarf signalisieren. Sonst kommt es zu einem Energieverteilungskonflikt. Aus diesem Grund, werden nie alle Organe gleichzeitig mit gleich viel Energie versorgt. Kommt es an einer Stelle zu einem hohen Bedarf, werden dafür andere Organe kurzfristig vernachlässigt. Zu den ersten Geweben, die unterversorgt werden gehören  Knochen, Bindegewebe, Sehnen, Haut und Haare.

 

stress fordert enorm viel energie

 

Du kennst das ja sicher auch: In Stresssituationen bist du angespannt, das Herz schlägt schneller, du schwitzt, bist konzentriert und aufmerksam. Die Energie steht jetzt Muskulatur und Gehirn zur Verfügung. Verdauung und Fortpflanzungstrieb werden hingegen runtergefahren (ein Grund weshalb Dauerstress die Lust auf Sex extrem verringert... Gerade Frauen sind davon sehr stark betroffen, weshalb Entspannungsmaßnahmen und eine Arbeit an und mit den eigenen Gedanken, enorme Effekte auf die Libido haben können). 

 

 

Kurzfristig ist so eine Stressreaktion komplett normal und hat uns früher unser Überleben gesichert. Auch heute reagiert unser System in Stresssituationen immer noch genauso. Jedoch ist unser Stress ein anderer geworden. Wir verbrauchen diese freigesetzte Energie nicht, sodass sie wieder als Fett um die Organe und vor allem am Bauch (Hallo Rettungsringe…) gespeichert wird. Das passiert uns mehrere Male am Tag, manche Menschen befinden sich vielleicht sogar dauerhaft in einer Flucht oder Kampf Reaktion. Denn schon unsere Gedanken haben die Macht diese Kaskade in Gang zu bringen, auch wenn wir nur am Schreibtisch sitzen. 

 

Um den erwarteten Energiebedarf in einer Stressreaktionen zu erfüllen, öffnet der Körper die Barrieren im Darm, um mehr Wasser, Glucose und Nährstoffe aufnehmen zu können. Kurzfristig hilfreich und sinnvoll, denn unter Stress steigt der Energiebedarf der Organe erheblich. Bei andauernder Öffnung der Tore zu unserer Innenwelt jedoch problematisch. Denn in unserem Darm befinden sich Billionen von Bakterien, unsere Darmflora. Die haben vielseitige und wichtige Aufgaben, sollten aber im Darm bleiben und nicht ins Blut gelangen. Ist diese Darmflora dann auch noch im Ungleichgewicht (mehr schlechte Bakterien, als gute), dann wird eine Immunreaktion ausgelöst. 

 

 

Denn unser Immunsystem, das direkt an den Barrieren patrouilliert erkennt die Bakterien als Fremdkörper und reagiert darauf. Eine Entzündung als Abwehrstrategie wird in Gang gesetzt. Wie gesagt kurzfristig toleriert unser Körper das außerordentlich gut, denn er kennt das seit Millionen von Jahren. Was er aber nicht kennt sind Dauerstress, Grübeleien, Geldsorgen, Beziehungskonflikte und damit die ständige Infiltration mit Bakterien durch offene Barrieren. 

 

 

Unsere Systeme werden damit desynchronisiert. Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung fehlt. Wenig Bewegung, zu häufige Mahlzeiten, hohe Glucosemengen und anhaltender Stress sind die Hauptfaktoren für eine gestörte Energieverteilung. Das Paradoxe daran?

 

Dein Gehirn ist jetzt in dauerhaftem Alarmzustand und aktiviert die Stresssysteme, um den scheinbaren Energiemangel zu decken. Scheinbarer Mangel? Allerdings, denn häufig sind die Reserven der Fettzellen noch gut gefüllt und dein Gehirn schickt dich trotzdem auf Nahrungssuche, weil es selbst einen realen Energiemangel wahrnimmt. Funktioniert das Gehirn hier nicht mehr richtig?  

 

wenn das gehirn auf stumm steht

 

Das Zusammenspiel der vielen Systeme im Körper ist komplex. Jede Zelle hat eine Vielzahl an Rezeptoren, über die sie Botenstoffe wahrnehmen und darauf reagieren kann. 

Damit diese Signale immer ihre Wirkung optimal entfalten können, reagiert die Zelle auch auf die Menge an Signalen, die unterwegs ist. Ähnlich einem Lautstärkeregler, kann die Zelle die Rezeptorenanzahl erhöhen oder verringern. Sind wenige Botenstoffe unterwegs, dann wird die Zelle MEHR Rezeptoren in ihre Hülle einbauen, um bestmöglichen „Empfang“ zu haben, sie dreht die Lautstärke hoch

 

Andersherum kann die Zelle ihren Empfang aber auch desensibilisieren, die Lautstärke runterdrehen oder sich auf „STUMM“ stellen, wenn sehr viele Botenstoffe im Blut umherschwimmen. Die Rezeptoren in der Zellmembran werden WENIGER, denn bei viel Angebot ist eine hohe Empfindlichkeit nicht notwendig. 

 

Genau dieser Prozess führt auch dazu, dass das Gehirn Botenstoffe, die den Energiefüllstand anzeigen, besser oder schlechter wahrnimmt. 

 

Zu diesen Signalen gehören vor allem Insulin und Leptin (und noch viele weitere). Insulin hast du schon als Sättigungshormon kennengelernt. Wenn es ausgeschüttet wird, weiß das Gehirn, dass ausreichend Energie zur Verfügung steht. Leptin erfüllt eine ähnliche Funktion und wird von Fettzellen freigesetzt - umso voller die Fettzellen, desto mehr Leptin. Damit gibt Leptin ebenfalls das Signal „es ist genug Energie in der Reserven“ an das Gehirn weiter, welches daraufhin mehr Aktivität und weniger Hunger in die Wege leitet. 

 

 

Wenn nun viel Insulin und viel Leptin dauerhaft im Umlauf sind (ständig Essen und hohes Körpergewicht) , dann werden die Rezeptoren für deren Wahrnehmung abgebaut. Die Zellen werden weniger empfindlich oder sogar TAUB für diese Signale. Diese Reaktion nennt man Resistenz. Das Gehirn nimmt nun immer häufiger einen Mangel wahr (weniger Rezeptoren = weniger Aktivierung der Sättigungssignale), obwohl eigentlich das Gegenteil im Körper der Fall ist. Und wie du nun schon weißt, aktiviert das Gehirn bei einem Energiemangel die Stresssysteme. Energie wird aus den Reserven freigesetzt, aber weil dein Körper das dauerhaft machen muss, ist diese Reaktion schon nicht mehr wirklich effektiv. Zudem kommt weniger von dieser freigesetzten Energie im Gehirn an. Also leitet es den nächsten Schritt ein: Nahrungssuche, Hunger und weniger Energiebereitstellung für "unwichtige" Dinge.

 

zeichen einer gestörten energieverteilung

 

Ich denke bis hierhin ist schon deutlich geworden, auf wie viele Weisen sich eine gestörte Energieverteilung äußert. Eigentlich spürt man das ja auch selbst sehr gut, wenn der Antrieb fehlt. Nichtsdestotrotz möchte ich auf die wichtigsten Signale deines Körpers nochmal aufmerksam machen, denn manche Symptome bringt man nicht zwingend mit einer gestörten Energieverteilung in Verbindung:  

 

  • Müdigkeit und Erschöpfung 
  • Antriebslosigkeit
  • Allgemeine Unlust auf Bewegung, Veränderung, soziale Kontakte, Anstrengung (körperlich & mental) 
  • Heißhunger und fehlende Sättigung 
  • Gewichtszunahme und Schwierigkeiten beim Fettabbau 
  • Schlafstörungen und häufiges Wach werden in der Nacht 
  • Gereiztheit und Stimmungsschwankungen 
  • Geringe Stresstoleranz 
  • Innere Unruhe und Anspannung 
  • Fahle, rissige Haut, brüchige Nägel, spröde Haare und Haarausfall 
  • Häufige Infekte und generell hohe Krankheitsanfälligkeit 
  • Keine Fieberentwicklung bei Krankheit 
  • Schlechte Wundheilung 
  • Langsame Regeneration nach Belastungen 

Energieverteilung wiederherstellen

die richtigen energiequellen wählen

 

Vielleicht wird es dich überraschen, dass mehr Essen nicht immer die optimale Lösung ist, um mehr Energie zu bekommen. Auch in Stresssituationen BRAUCHST du keine Schokolade. Ja dein Gehirn verlangt danach, aber nur weil es schnell verfügbare Energie darstellt. Und die will dein Gehirn natürlich in Stressmomenten am liebsten. 

 

Gerade wenn du hauptsächlich schnell verfügbare Kohlenhydrate wie Nudeln, Brot, Reis, Gebäck, Fertigprodukte und Süßes isst, hast du dein Gehirn auf diese Lebensmittel geprägt und ihm die Energiegewinnung aus Fetten abtrainiert. Dein Gehirn ist nicht mehr flexibel und verlangt nur noch nach Zucker.

 

Die gute Nachricht: Dein Gehirn kann das wieder lernen und flexibel werden! 

Deine Herausforderung dabei: Du musst es in Situationen bringen, in denen es diese Energiequelle nutzen und flexibel sein MUSS. 

 

Anders gesagt: Deine Ernährungsgewohnheiten und die Zusammenstellung deiner Mahlzeiten müssen sich ändern, um dein Gehirn wieder in sein Gleichgewicht zu bringen. 

 

Die Lebensmittel machen dein Gehirn wieder flexibel (sie sollten qualitativ hochwertig und frisch sein):

 

  • Gemüse in allen Farben und Varianten, v.a. Algen und grüne Gemüsearten als Basis jeder Mahlzeit
  • Eiweiß  - Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Innereien, Eier
  • Gutes Fett  - Olivenöl, Avocadoöl, Ghee, Butter, Kokosöl
  • Kräuter und Gewürze, v.a. Curcuma, Ingwer, Knoblauch, Zwiebeln
  • Saisonales Obst 
  • Ergänzung durch Vitamin D, Omega 3, Jod & Selen 
  • Maximal 3 Mahlzeiten am Tag, lange Essenspausen 
  • Zucker, Getreide, Fertigprodukte meiden 

 

kostenlose Geheimwaffe: bewegung

 

Dass Bewegung gesund ist, wissen eigentlich die meisten Menschen. Warum sie gesund ist, allerdings eher wenige. Darauf gehe ich in einem separaten Artikel nochmal genauer ein. Hier möchte ich nur soviel dazu sagen: 

 

Aktive Muskulatur sorgt unter anderem für eine bessere Insulinwahrnehmung. Die Zellen werden wieder sensibler für die Signale des Sättigungshormons (aktive Muskelzellen schieben ohne Insulin mehr Glucosetransporter in ihre Zellhüllen). Außerdem verbraucht aktive Muskulatur Energie und hilft dabei überschüssige Fettdepots abzubauen. Aktive Muskeln schütten Botenstoffe aus, welche sowohl entzündungshemmende, als auch gehirnschützende Wirkungen haben. 

 

Dank regelmäßige Aktivität werden alle Zellen mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Abfallstoffe können ebenso besser abtransportiert werden. Du schläfst besser und wachst erholter auf. Dadurch triffst du bessere Entscheidungen hinsichtlich deines Verhaltens und es fällt dir leichter auch mal Nein zu Süßigkeiten und JA zu mehr Bewegung zu sagen. Du erhältst dank eines besser versorgten Gehirns wieder die Kontrolle über deine Emotionen und Gedanken. Und das alles wirkt sich auf dein Verhalten und dein Energielevel aus.

 

So integrierst du mehr Bewegung in deinen Alltag: 

 

  • Beweg dich schon zu Tagesbeginn mindestens 5 - 10 Minuten intensiv (zB mit solchen Übungen: ) 
  • Bau jede Stunde eine 1-2 minütige Bewegungspause ein 
  • Wechsle zwischen Sitzen und Stehen ab, falls du einen Schreibtischjob hast
  • Nimm das Fahrrad oder geh zu Fuß 
  • Binde deine Familie mit ein - geht Spazieren, lauft zum Einkaufsmarkt etc 
  • Nimm die Treppe, statt des Fahrstuhls 
  • Lauf zur übernächsten Bushaltestelle 
  • Schaffe Kontrolle mit einem Schrittzähler 
  • Suche dir einen Sport, der dir Spaß macht
  • Verabrede dich mit Freunden, zu gemeinsamen Aktivitäten 

 

 

es geht nicht ohne: Stressbewältigung

 

Energiemangel geht auch mit einem Ungleichgewicht der Stresssysteme einher. Sorgen, Ängste, zu viel Druck, Unzufriedenheit oder ständige negative Gedanken aktivieren deine Stressachsen andauernd, was zu erhöhtem Energiebedarf führt. 

Eine der wichtigsten Maßnahmen für mehr Wohlbefinden und Gesundheit ist also der Umgang mit inneren und äußeren Stressfaktoren. 

 

  • Nimmst du dir Zeit für dich selbst? 
  • Wie denkst und sprichst du mit dir? Wie mit deinen Mitmenschen? 
  • Mit welchen Gedanken startest du deinen Tag ? 
  • Bist du stolz auf dich? 
  • Bist du Zufrieden mit dir und dem was du hast? Oder bist du immer auf der Suche nach Mehr? Immer höher, schneller, weiter, noch nicht gut genug?

Meine Tipps für besseren Umgang mit Stress:

 

  1. Nimm dir Zeit für dich und tue etwas, das dir Energie und Kraft spendet 
  2. Reflektiere abends deinen Tag und fokussiere dich dabei auf die schönen Dinge, die dir passiert sind / die du erreicht hast 
  3. Starte und beende deinen Tag mit Routinen, die dich in eine gute Stimmung versetzen 
  4. Meditation
  5. Atemübungen, zB nach Wim Hof (Video auf Englisch)

 

Wenn du bis hier gelesen hast, dann solltest du nun ein klareres Bild davon haben, wie das mit der Energie in unserem Körper funktioniert. Und hast du's gemerkt, ich hab nur einmal etwas von Kalorien erwähnt. Denn das sture zählen der Kalorien hat absolut keinen langfristigen Effekt auf deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Es geht auch ohne ;-) 

 

Das Wichtigste ist nun die Umsetzung - also los gehts. ;-) Und wenn du Unterstützung brauchst, dann melde ich für dein kostenloses und unverbindliches Beratungsgespräch. Im 12 Wochen Good Life Coaching stellen wir die Flexibilität deines Stoffwechseln und eine optimale Energieverteilung gemeinsam wieder her. 

 

Viele Grüße und bis bald, 
Chantal 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0