Deine Füße als Fundament

Hat die Evolution einen Fehler gemacht?

Wenn man Schuhherstellern glauben mag, müssen unsere Füße ständig gestützt und stabilisiert werden.  

Wie haben das nur unsere Vorfahren gemacht, als sie die Welt zu Fuß besiedelt haben? Waren alle geplagt von Platt-, Senk- und Spreizfüßen, von Fuß-, Knie- und Hüftbeschwerden oder Fehlstellungen wie einem Hallux valgus? 

Und wie können Naturvölker nur ständig barfuß gehen, rennen und jagen? Die müssten ja alle eigentlich erst mal ordentliche Laufschuhe kaufen, der die Füße stabilisiert, polstert und abfedert ... *Ironie aus*

 

Bildquelle: www.barefootrunningshoes.org  / Natürliche Fußform, ohne Schuhe
Bildquelle: www.barefootrunningshoes.org / Diese Füße haben noch nie in einem Schuh gesteckt

Diese Füße auf dem oberen Bild haben noch nie in einem Schuh gesteckt. Die Form sieht aus wie ein V, das von der Ferse nach vorne zu den Zehen breiter wird. Kinder und Naturvölker weisen eine solche Fußform auf, die vor allem Stabilität verleiht. Passen solche Füße in einen Schuh, der vorne spitz zusammenläuft? Ja und Nein, denn damit der breite Fuß in einen schmalen Schuh passt,  werden die Zehen vorne eben zusammengedrückt. Und ich dir bereits in vorherigen Artikeln erklärt habe, ist unser Körper schlau und arbeitet ökonomisch - er passt sich den Gegebenheiten an

Bildquelle: www.barefootrunningshoes.org   / Füße werden durch Schuhe verformt, in Fehlstellungen getrieben und kaputt gemacht
Bildquelle: www.barefootrunningshoes.org

 

Was bedeutet das, bei jahrelangem Schuhe trage und Druck gegen die Zehen?

 

Die Fußform wird verändert. 

 

Die Zehen bleiben in dieser gequetschten Position, vor allem die Stellung des großen Zehs ändert sich extrem - was negative Auswirkungen auf Stabilität und Haltung mit sich bringt. Schau Dir dafür nochmal den Laufschuh oben, oder den Schuh hier links an - natürlich ist an dieser Form nämlich nichts. Angepasst an den Fuß? Nö. Der Fuß muss sich dem Schuh anpassen.

 

Folgen wie Funktionsverlust, Hallux Valgus, Verspannungen, Fersensporn, Fehlbelastung der Gelenke, Schmerzen, Fehlhaltungen  und vieles mehr ergeben sich daraus. Klar, dass dann der Fuß durch Schuhe gestützt und gepolstert werden muss, die eigene Fähigkeit zur Stabilisation ist verloren gegangen.

 

Leider erkennen zu wenige das Schuhetragen als problematisch an und es wird nicht hinterfragt, warum die Zehen sich irgendwann verformen... Ärzte raten bei Beschwerden dann lieber zu Einlagen oder sogar einer OP.

Das eigentliche Problem bleibt aber weiterhin bestehen: Die negativen Einflüsse der Schuhe auf den Fuß.

 

Schuhe zu tragen ist das normalste auf der Welt. Kleine Kinder bekommen welche, noch bevor sie überhaupt richtig gehen können. Den eigentlichen Sinn von Schutz vor Kälte und Verletzungen, haben Schuhe längst nicht mehr als Priorität. Sie müssen schick sein und einen modischen Zweck erfüllen. Gesellschaftliche Normen schreiben zudem vor, dass Schuhe tragen Pflicht ist.

 

Um das zu überprüfen, musst Du nur mal barfuß einkaufen gehen oder durch die Stadt laufen. Die Blicke reichen von Unverständnis oder Amüsiertheit bis zur Verärgerung. Barfuß laufen scheint nur am Strand erlaubt zu sein. 

 

im trend oder gesund sein - was ist dir wichtiger?

Wir gehen soweit, Schmerzen zu ertragen, nur um der Gesellschaft zu gefallen. Oder kennst Du eine Frau, die High Heels so wirklich gerne trägt, einfach weil sie sich darin wohl fühlt? Den Satz "Die Schuhe sind zwar schön, aber lange kann ich die nicht tragen", hat wohl jede Frau schon mal zum Besten gegeben. Und nicht nur High Heels, sondern auch einfache Sneakers, Sandalen oder Männerschuhe haben fast immer einen Absatz. 

 

Die Ferse wird dabei erhöht, die Fußmuskulatur, die Wade, die Achillissehne und weitere Gewebe sind dauerhaft aneinander angenähert und werden über Jahre verkürzt. Das Gewicht und damit der Körperschwerpunkt werden mehr nach vorn auf den Fußballen verlagert, welcher dann zu Überlastungen neigt und wieder durch Schuhe gepolstert werden muss. Das fühlt sich für uns natürlich angenehm an, allerdings nimmt ein stabilisierender Schuh dem Fuß jede Arbeit ab. 

 

Als wären Fußverformung, Funktionsverlust, Schmerzen in Füßen, Knie, Hüfte, Rücken und Nacken nicht schon genug, verlieren wir durch das Schuhetragen auch den Kontakt zum Boden. 

 

Barfußlaufen als Stressbewältigungstherapie

Die Fußsohle ist die meist durchblutete Hautregion des Körpers, mit zahlreichen Rezeptoren wird der Kontakt zum Boden wahrgenommen und als Information an den restlichen Körper gesendet. Gleichgewicht, Gang, Körpergefühl, Durchblutung und die Stimulation von Nerven, Muskeln und Körpergewebe werden durch den direkten Kontakt zwischen Haut und Boden um ein vielfaches gesteigert.

 

Barfußlaufen in der Natur schafft auch auf physikalischer Ebene wieder Ordnung im Körper, denn über die Haut werden Elektronen aus dem Boden aufgenommen (Erdung), was einen inneren Ausgleich herstellt, den unser Organismus immer anstrebt.

 

In der Natur passen sich unsere Systeme wieder den natürlichen Rhythmen an. Allerdings nur, wenn wir sie auch mit allen Sinnen wahrnehmen, ohne Handy, ohne Sonnenbrille, ohne Schuhe - einfach Mensch und Natur im Einklang. 

 

In Japan gibt es seit 1980 die "Forest Bathing" Therapie, der bewusste Waldspaziergang. Eigentlich traurig, dass man erst wieder eine Therapie durch die Natur  "erfinden" muss - für mich ist das so logisch und selbstverständlich, dass mir die Natur gut tut. Mein Körper zeigt mir das ja auch immer, wenn ich draußen bin. 

Aber ich setze da wohl zu viel voraus und es gibt Menschen, die ihren Körper und die Bedürfnisse nach Ruhe, Entspannung und Natur nicht mehr wahrnehmen.  Die geben dann auch Geld dafür aus, durch den Wald geführt zu werden. 

Versteht mich nicht falsch, es ist wirklich super, dass so etwas einfaches wie ein Waldspaziergang positive Effekte auf unseren Organismus hat. Solche Therapien sollten immer an erster Stelle stehen, bevor mit Medikamenten gearbeitet wird. 

Schade nur, dass wir den Kontakt mit der Natur mittlerweile so sehr verloren haben und uns erst wieder jemand zeigen muss, wie wichtig dieser Kontakt für unsere Gesundheit ist. 

 

Mehr Achtsamkeit, Entschleunigung und Stressabbau sind nur einige positive Effekte durch die Synchronisation mit den natürlichen Rhythmen. Auch der Blutdruck und die Stresshormone werden gesenkt, was zu Entspannung und Wohlbefinden führt.

 

Um wieder zurück zum eigentlichen Thema zu kommen: Wenn Du mal draußen bist, zieh Deine Schuhe aus und nimm bewusst den Kontakt zum Boden wahr. Eine dicke, stabile Schuhsohle verhindert diese wichtige Reizaufnahme und dem Körper fällt es schwerer sich natürlich zu bewegen. 

Also nur noch Barfuß laufen?

Wir haben festgestellt: Schuhe machen Deine Füße kaputt. Den eigentlichen Sinn von Schutz erfüllen sie zwar, richten aber mehr Schaden an, als dass sie nützen.

 

"Ich kann ja jetzt wohl nicht nur noch barfuß laufen?!", wirst Du jetzt wahrscheinlich denken. 

Das muss jeder für sich selbst entscheiden - da wären wir wieder beim Thema, jeder übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundheit ;-) Mit etwas Training kannst du das ganze Jahr über Barfuß laufen.

 

Ich bin ehrlich: So konsequent bin ich im Barfußlaufen nicht - Einkaufen, in der Freizeit, oder auf Reisen bin ich (zumindest von Frühjahr bis Herbst) auch größtenteils Barfuß unterwegs. Bis Mitte 2017 hatte ich im Winter oder auf der Arbeit immer konventionelle Schuhe an ... Auf mein erstes Paar Barfußschuhe habe ich einige Wochen gespart, denn JA Barfußschuhe kosten etwas mehr Geld, sind jedoch eine Investition die sich lohnt. Ich wette für deine Nike oder Adidas Schuhe bezahlst du auch mehr als 20 € ;-)

 

Mein erstes Paar habe ich mir bei Vivobarefoot gekauft, mittlerweile habe ich ein weiteres, auch ein Paar Five Fingers und demnächst auch welche von Sole Runner für den Winter.

 

Barfußschuhe - das ist doch ein Widerspruch?!

Barfußschuhe sind ein Kompromiss zwischen herkömmlichen Schuhen und dem Barfußlaufen.

Denn auch Barfußschuhe, sind eben Schuhe. Sie geben den Zehen mehr Platz, haben keinen Absatz, geben dem Körper die Möglichkeit sich in einer natürlichen Haltung zu bewegen und sind sehr minimalistisch was das Material angeht. Dennoch fehlt der direkte Kontakt zum Boden. Sie erfüllen den Zweck, den Fuß zu schützen und Schuhe tragen zu können, wenn es ein Muss ist.

Und falls Du Dir Sorgen machst, Du könntest mit Barfußschuhen irgendwie auffallen: Es gibt alltagstaugliche Modelle, für den Sport, Outdoor Aktivitäten oder das Büro. 

 

Ein wechsel auf barfussschuhe ohne training geht nach hinten los

 

Würdest Du aus der kalten, ohne Vorbereitung einen Marathon laufen? 

Genauso wie Du eine Vorbereitung dafür brauchst, ist es für Deine Füße notwendig durch Training wieder an das Barfußlaufen herangeführt zu werden. 

 

Durch das jahrelange Schuhetragen haben sich Muskeln abgebaut, haben Faszien, Sehnen , Bänder an Spannung verloren oder zu viel Spannung, ist die Fußform verändert und Deine Zehen sind in Ihrer Funktion als Stabilisatoren eingeschränkt.

 

Ohne Training würden sich Folgen wie Entzündungen der Plantarfaszie, Absenkung des Fußgewölbes und Schmerzen ergeben. Nach ein paar Tagen ärgerst Du Dich, dass Du viel Geld für die Schuhe ausgegeben hast und sie Dir gar nicht weiterhelfen. Frustriert werden dann die alten Schuhe wieder angezogen, die polstern und stützen den Fuß ja so gut. 

 

Hab Geduld

Wie mit allen gesundheitlichen Veränderungen, ist die Verbesserung auch hier ein Prozess, der dranbleiben, regelmäßiges Training und Geduld erfordert. 

Wie viele Jahre läufst Du täglich über Stunden hinweg in normalen Schuhen oder sogar in High Heels? Seit Deiner frühsten Kindheit wurden Deine Füße in Schuhe gesteckt, wurden Deine Zehen zusammengedrückt, Deinen Muskeln die Arbeit abgenommen und die Wahrnehmung verfälscht. Deine Füße hatten nie die Chance sich natürlich zu entwickeln, obwohl sie das Fundament Deines Körpers bilden. 

 

Das bedeutet, dass die Veränderung auch Zeit braucht. Die Auswirkungen von jahrelangen Belastungen, können leider nicht innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen rückgängig gemacht werden. Das gilt für alle Bereiche des naturfernen Lebens - schlechte Ernährung, wenig Bewegung, Fehlhaltungen, zu viel Stress, Übergewicht etc. 

Trage die Schuhe also erstmal nur wenige Stunden und erweitere die Zeit dann nach und nach. Trainiere deine Füße außerdem mit Hilfe gezielter Übungen (eine Auswahl an Übungen folgt demnächst in einem Artikel ;-) ).

FAZIT

Suche Dir die passenden Schuhe für Deine Füße aus und passe nicht Deine Füße den Schuhen an. Mobilisiere und kräftige Deine Füße und mach sie zu einem guten Fundament.

 

Das ist der erste Schritt, zu weniger Schmerzen, einer besseren Körperhaltung und mehr Gesundheit. 

Denn nur wenn das Fundament gut gebaut ist, kann das Haus darauf stabil sein. 


Du möchtest auch ein Barfüßler werden?

 

Dann komm für eine Beratung gern im Barfüßler Store vorbei! Du kannst verschiedene Modelle anprobieren und gemeinsam finden wir den perfekten Barfußschuh für dich. 

 

Um Deine Füße zu mobilisieren und zu kräftigen sind spezielle Übungen notwendig. Ich stelle dir meine Lieblingsübungen in diesem Artikel vor. Außerdem findest du einen wöchentlichen Beitrag dazu von mir auf der Barfüßler Facebookseite

 

Läuft Du barfuß in Deiner Freizeit? Hast Du Dir schon Barfußschuhe zugelegt oder überlegst Du welche zu kaufen?

Welche Erfahrungen hast Du bereits gemacht? Hinterlass einen Kommentar oder schreib mir eine E-Mail mit Deinem Feedback. 

 

Bis bald und viele Grüße, 

Chantal


Quellen: 

Dittrich-Opitz, Chr. Biophotonen- das Licht in unseren Zellen. In Wunsch, A. et al. (2016). Lichttherapie. vianova

Schünke, M. et al (2015). Lernatlas der Anatomie. Prometheus 

www.barefoot-academy.com 

www.barefootrunningshoes.com

www.vivobarefoot.de

http://www.shinrin-yoku.org

https://adsoftheworld.com/media/print/mizuno_muscle_2


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