Getreide

Schon das Vater Unser beginnt mit den Worten "Unser täglich Brot gib uns heute", Jesus brach das Brot beim letzten Abendmahl und viele weitere Male wird Brot als Lebensmittel in der Bibel erwähnt. 

 

In Deutschland gibt es eine richtige Brotkultur, von klassischem Sauerteigbrot über die verschiedensten Abwandlungen zu Brötchen uvm, landet Getreide in nahezu jeder Mahlzeit auf dem Teller - viele Menschen können sich nicht vorstellen, es aus ihren Essgewohnheiten zu streichen.

 

"Darauf kann ich nicht verzichten!", oder "Was soll ich denn sonst essen?", sind dann gängige Reaktionen, wenn das Thema Getreide bei der Ernährungsumstellung zur Sprache kommt. Und so ist es üblich, dass Kunden Tag ein, Tag aus als Hauptnahrung Getreide essen. In den letzten Jahren gibt es dazu eine "Gegenbewegung" und neben den klassischen Getreideprodukten findet man auch immer häufiger glutenfreie Alternativen in den Supermärkten und auch viele Rezeptideen zum nachmachen. Menschen verzichten bewusst auf Gluten, weil es Probleme verursacht - so hört man. 

 

Aber was ist denn das Problem an Getreide, wird es doch schon seit tausend Jahren gegessen?

Herkunft

Getreide ist der Überbegriff für Pflanzen aus der Familie der Süßgräser. Die Körner dienen der gesamten Welt als Grundnahrungsmittel - der Anbau und die Herstellung sind billig und der Ertrag hoch, sodass viele Menschen damit gesättigt werden. Und so wird Getreide seit ungefähr 10.000 Jahren als Nahrungsmittel im nahen Osten genutzt, in Europa seit ca. 7.000 Jahren. Die Urformen die damals angepflanzt wurden waren Emmer, Einkorn und Gerste.

 

Leider haben die heutigen Sorten nichts mehr mit den Ursprünglichen gemeinsam, dank gezielter Züchtung und Gentechnik für größere Ähren, stabilere Halme, Robustheit gegen Klima und Fressfeinde, mehr Ertrag und weniger Kosten. Zusätzlich besprüht mit allerhand Chemie. Welche Folgen diese zahlreichen Veränderungen für den Organismus haben, wurde dabei nie berücksichtigt. Das heutige Getreide ist schon lange keine natürliche Pflanze mehr.

 

Heute gibt es 7 übergeordnete Getreidesorten, wovon Mais, Reis und Weizen mit insgesamt 2,2 Millionen Tonnen im Jahr, am meisten produziert werden Weltweit. Mit insgesamt 10 % der Weltproduktion folgen die restlichen 4 Sorten: Roggen, Gerste, Hafer und Hirse. 

  • Weizen - Grünkern, Weichweizen, Kamut, Hartweizen, Emmer, Dinkel, Weizen
  • Roggen - Sommerroggen, Winterroggen, Roggen, Triticale
  • Gerste - Spelzgerste, Nacktgerste, Gerste, Graupen 
  • Hafer - Nackthafer, Hafer
  • Hirse - Japanhirse, Hirse, Braunhirnse, Teff, Sorghum
  • Reis - Roter Reis, Wildreis, Milchreis, Patna Reis, Paddyreis, Parboiled Reis, Jasminreis, Basmati Reis, Reis
  • Mais 

 

Vielleicht hast du schonmal den Begriff Pseudo Getreide gehört? Hierunter fallen Pflanzen, die zwar ähnlich wie Getreide verwertet werden können, allerdings nicht zur Familie der Süßgräser zählen und glutenfrei sind. Jedoch enthalten sie genauso Pflanzenabwehrstoffe, wie Lektine, Phytinsäure, Saponine und Protease Inhibitoren (Erklärung folgt weiter unten).

 

Zu den Pseudogetreiden gehören:

  • Buchweizen 
  • Amaranth 
  • Quinoa 
  • Chia Samen 
  • Hopfen (gehört wie Hanf, zur Gattung der Cannabaceaen, enthält aber kein THC ;-) )
  • Nutzhanf

Zusammensetzung

Bei der Verarbeitung von Getreide wird immer nur das Korn verwendet. Es besteht aus einer vielschichtigen Schale, dem stärkehaltigen Endosperm / Mehlkörper und dem Keimling zu dem auch das Scutellum / Mehlblatt gehört. Dieser Samen ist sozusagen das Baby der Pflanze, er dient zur Fortpflanzung und Erhaltung der Art, denn aus ihm wächst eine vollständig neue Pflanze heran und dieser Punkt wird weiter unten nochmal wichtig. 

 

Bei den meisten Getreidesorten wird die Schale beim Verarbeitungsprozess entfernt. Es bleibt der pure Mehlkörper übrig, der außer Stärke nur noch etwas Protein enthält. Das typische nährstoffarme Weißmehl. Kleie ist genau das Gegenteil -  hier wird nur die Schale verarbeitet und der Mehlkörper nicht, bzw. nur Reste davon.

 

Beim Vollkornmehl wird das Korn im Ganzen gemahlen, damit es haltbar bleibt, muss der Keimling allerdings hitzebehandelt oder entfernt werden. 

 

Gesundheitsorganisationen und auch viele Ernährungsberater predigen vom gesunden Vollkorn. Viele Menschen setzen also auf Vollkornmehl, Roggen oder Dinkel in der Vorstellung, sie treffen damit eine gesündere Wahl beim Backen oder beim Teigwareneinkauf.

Abwehrmechanismen der pflanze

Die wenigen Nährstoffe, die Vollkornmehl im vergleich zu Weizenmehl mehr enthält, kann unser Körper durch pflanzeneigene Abwehrstoffe kaum oder gar nicht aufnehmen. 

Pflanzen können bei Gefahr nicht flüchten oder kämpfen. Die Natur hat sich daher eine andere Abwehrreaktion überlegt. In den Schalen eines Pflanzensamens sind sogenannte Antinährstoffe wie Lektin, Phytinsäure und Protease Inhibitoren enthalten. Denn der Samen, also das Baby der Pflanze, ist ihr wichtigster Bestandteil. Er trägt zur Arterhaltung bei und muss besonders geschützt werden. Demnach werden auch hier die höchsten Konzentrationen an Abwehrstoffen eingelagert. 

 

 

Lektine

Lektine dienen der Pflanze als Botenstoff, Kohlenhydrattransporter oder Schutz vor Fressfeinden. Sie sind im Organismus in der Lage, sich an Blutkörperchen zu heften und diese zu verklumpen. Das machen Lektine aber nicht nur an Blutkörperchen, sondern an nahezu allen Zellen des Körpers. Viren nutzen diesen Fakt und verwenden Lektine, um sich an Darmzellen zu heften. So aktivieren sie das Immunsystem und führen u.a. zu Durchfall, Blähungen, einer erhöhten Darmdurchlässigkeit, Entzündungen und anderen Symptomen. Nimmst du dauerhaft höhere Mengen an Lektin auf, weil du zb täglich mehrere Portionen Getreide oder Hülsenfrüchte isst, ist dein Immunsystem ständig aktiv und reagiert mit unterschwelligen Entzündungsreaktionen. Stell dir vor dein Körper schickt von seinen 1000 Soldaten, die eigentlich Unruhestifter (ernsthafte Krankheitserreger) bekämpfen sollen, immer einige Soldaten los, weil dauerhaft irgendwo falscher Alarm ausgelöst wird. Das kostet Energie! Wirklich ernsthafte Erreger kommen leichter durch die schon offen stehende Tür herein (alle Barrieren sind durchlässiger unter hohem Getreidekonsum) und dein Immunsystem muss dann noch mehr Energie einfordern - du bist schlapp, müde, energielos oder länger krank. 

 

Eine Entzündung ist eine normale Reaktion deines Immunsystems auf Viren, Bakterien oder Umwelteinflüsse. Eine dauerhafte und langanhaltende Entzündung oder ein zu durchlässiger Darm allerdings nicht. Weitere Folgen sind dann entzündliche Erkrankungen wie Neurodermitis, Asthma, Arthritis, Autoimmunerkrankungen, psychische Erkrankungen und mehr.

 

Phytinsäure

Phytinsäure dient Pflanzen wie Getreide, Hülsenfrüchten und Nüssen als Nährstoffspeicher und ist wichtig für das Wachstum des Keimlings und damit einer neuen Pflanze. Diese Mineralstoffbindung ist zwar für die Pflanze nützlich, im Darm, in dem die Nährstoffe in die Blutbahn aufgenommen werden sollen, jedoch nicht. Mit der Nahrung aufgenommene Phytinsäure bindet Nährstoffe und verhindert so deren Aufnahme. Sie werden einfach wieder ausgeschieden. Von der Natur sehr schlau gelöst: die Art der Pflanze kann weiter fortgeführt werden, sogar an einer neuen Stelle und der Dünger wird direkt mitgeliefert. 

 

Und da besonders in der Pflanzenschale diese Abwehrstoffe eingelagert sind, ist Vollkorn nicht besser als Weißmehl und Kleie der totale Supergau.

Denn wenn das volle Korn oder nur die Schale (Kleie) verarbeitet wird, bleiben natürlich auch diese Antinährstoffe im Mehl enthalten und bei regelmäßigem Verzehr ohne gleichzeitige ausreichende Aufnahme von Gemüse und Obst entstehen Immunreaktionen, Entzündungen und Nährstoffmängel.

Knusprig, fluffig, klebrig

Brot und Brötchen müssen heutzutage ganz besondere Kriterien hinsichtlich des Aussehens, des Geschmacks und der Backeigenschaften erfüllen. Außen möglichst kross und knusprig, innen weich, mit Luftblasen durchzogen und ganz fluffig. Und wir sind irgendwie süchtig, nach dieser Konsistenz, dem Geruch und dem Geschmack von frischen Brötchen, Brot, Kuchen und Stückchen.

 

Gluten

Und genau für diese Backeigenschaften ist das Klebereiweiß aus Getreide, das Gluten verantwortlich. Es sorgt dafür, dass der Teig aufgehen kann und nach dem Backen seine Form behält. Es wirkt wie der Name schon sagt, wie Kleber. Dieser Kleber kann und wird sogar ganz gezielt zusätzlich dem Teig beigemischt, um das Backergebnis zu beeinflussen, was dazu führt, dass der Glutengehalt in Lebensmitteln heute viel höher ist, als früher. Es wird für Marketingstrategien genutzt, um z.B. "Eiweißbrot" zu verkaufen - denn Gluten ist ein Protein und wird dem Brot dann zusätzlich beigemischt, um den Eiweißanteil zu erhöhen. 

 

Im Getreide ist Gluten das Speicherprotein und versorgt den Pflanzensamen mit Energie beim Wachstum. Außerdem dient es wie Phytinsäure und Lektin auch als Abwehrmechanismus vor Fressfeinden und sabotiert die Verdauung, denn es ist für uns schlecht verdaulich, womit es im Darm schaden anrichten kann. Es hemmt die Verdauung anderer Proteine und damit die Nährstoffaufnahme insgesamt. Gluten führt zu einem durchlässigen Darm (Leaky Gut), aktiviert damit das Immunsystem, löst Entzündungsreaktionen und Allergien aus. Es besteht aus Gliadin und Glutenin und dabei ist es hauptsächlich das Gliadin, welches die vielen körperlichen Reaktionen hervorruft. 

 

Ich behaupte mal bei 8 von 10 Bäckern findet man den klassischen Sauerteig nicht mehr. Den wirklich selbst gemachten, der über mehrere Tage angesetzt wird und zwischendurch Zeit zum gehen bekommt. Denn das ist auch der springende Punkt: ein klassischer Sauerteig braucht Zeit und Ruhe, um zu arbeiten. Zeit, die in der Lebensmittelindustrie nicht investiert wird. Dort gibt es lange Backstraßen und alles ist vollautomatisiert, damit die Ware möglichst effizient produziert werden kann. Das Handwerk geht nach und nach verloren und damit auch die traditionelle Herstellung. Zusätzlich werden die Backwaren mit Hilfsmitteln wie Weizenprotein alias Weizenkleber alias Gluten vermischt, um das Backergebnis noch weiter zu verbessern. 

 

Folgen dieser Denaturierung der Lebensmittel gibt es dann zuhauf: Unverträglichkeiten, Verdauungsprobleme, Allergien, Entzündungen uvm.. Vor 50 Jahren war der Glutengehalt in Lebensmitteln noch geringer und auch andere entzündungsfördernde Faktoren geringer, sodass unsere Großeltern diese Probleme nicht kannten.

 

Die traditionelle Herstellung des Sauerteiges und auch die weniger pestizidbelasteten Rohstoffe sorgten nämlich dafür, dass Bestandteile wie Gluten und Lektine durch Bakterien während dem Gehen lassen zersetzt werden. Dieser Fermentationsprozess hat das Brot besser verdaulich gemacht und wurde auch bei anderen Lebensmitteln genutzt (z.B. Hülsenfrüchten). 

 

Glutengehalt in Lebensmitteln

Lebensmittel Glutengehalt pro 100g
Weizenmehl Typ 1050 8,7 g
Weizenvollkornmehl 8,3 g
Roggenmehl 3,3 g
Dinkelmehl 10,3 g
Haferflocken 5,6 g
Helles Brötchen 9,2 g
Toastbrot 6,9 g
Roggenmischbrot 3,3 g

 

Bei den Mengenangaben solltest du beachten, dass sie sich immer auf 100g eines Lebensmittels beziehen. Beim Backen werden meist bis zu 500g Mehl verwendet. Bei einer Mahlzeit verzehrst du allerdings auch oft mehr als 100g Brot, Nudeln, oder Brötchen.

 

Die höchsten Glutenwerte finden sich in den Gruppen von Weizen und Gerste. Glutenfrei sind Mais, Reis und Pseudogetreide. Heute wird Gluten sogar als separater Zusatzstoff in der Lebensmittelindustrie verwendet, um die Eigenschaften eines Produktes zu verbessern oder "Fitness-" oder "Eiweißbrot" herzustellen. In der Industrie fällt Gluten als Abfallprodukt in der Produktion von Stärke oder Traubenzucker an. Ein Abfallprodukt, dass dann weiter verarbeitet wird und den Glutengehalt in Lebensmitteln erheblich steigert. 

der schaden beginnt im darm

 

Dein Darm bildet die Barriere zwischen Außenwelt und Körperinnerem. Nur ganz bestimmte Stoffe werden in die Darmzellen aufgenommen und gelangen dann in die Blutbahn. In unserem Darmlumen tummeln sich nicht nur Nahrungsreste, sondern auch tausende von Bakterien. Die meisten sind unserem Immunsystem bekannt und dürfen als Untermieter bleiben, solange sie nicht in die Blutbahn geraten. Im Darm erfüllen sie wichtige Funktionen für uns. Unter anderem Produzieren sie Fettsäuren und Vitamine, die in unserem Stoffwechsel benötigt werden und sie spielen eine wichtige Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern. 

 

Zusätzlich werden die Darmzellen durch eine Schleimschicht geschützt, die Krankheitserreger abwehrt. Außerdem dient der Schleim den guten Bakterien als Nahrung. Sie recyceln ihn und ergänzen auch damit unsere Körperfunktionen. 

 

Auf den Darmzellen bildet der Bürstensaum den Abschluss zum Darmlumen und vergrößert die Aufnahmefläche für Nährstoffe auf 500 Quadratmeter! Im Vergleich dazu umfasst unsere Hautbarriere nur 2 Quadratmeter. 

 

Zwischen den Darmzellen sitzen sogenannte Tight Junctions (enge Verbindungen), welche unter normalen Umständen nur wenige Stoffe sehr kontrolliert passieren lassen. Sind sie geschlossen kommt hier nichts durch. Bei Kontakt mit bestimmten Stoffen können sich öffnen wie eine Tür. Das nutzt unser Körper zB bei höherem Energiebedarf in Stressituationen oder beim Sport und schleust so mehr Wasser zwischen den Darmzellen hindurch. 

  

Good Life Getreide: Aufbau der größten Grenze zwischen Außenwelt und Körperinneren: Die Darmbarriere
Aufbau der größten Grenze zwischen Außenwelt und Körperinneren: Die Darmbarriere

 

In unserer heutigen Nahrung (und auch in unserer Umgebung) gibt es Bestandteile, die die Tight Junctions und damit die Darmbarriere öffnen. Dazu zählen Gliadin und Prolamin aus dem Getreide. Sie stoßen weitere Reaktionen in Gang, an deren Ende die Öffnung der Tight Junctions steht. Auch Stress hat diese Wirkung.

 

Damit steht die Tür zum Körperinneren für Toxine, Schadstoffe, schädliche Bakterien und große Nahrungsbestandteile offen - Fremdkörper, die normalerweise abgewehrt werden, gelangen in die Blutbahn. Sie reagieren mit dem Fettgewebe, dass die Barriere abschließt. Der Körper antwortet mit einer Abwehrreaktion des Immunsystems. Eine Entzündungsreaktion wird ausgelöst und mehr Fettgewebe als Schutz aufgebaut (="creeping fat").  

 

 

Good Life Getreide: Wenn die Tight Junctions geöffnet sind, haben Bakterien, Viren, Pilze und Nahrungsreste leichtes Spiel. Die Folge ist immer eine Aktivierung des Immunsystems mit einer Entzündung. Kurzfristig kein Problem langfristig entstehen weitere
Wenn die Tight Junctions geöffnet sind, haben Bakterien, Viren, Pilze und Nahrungsreste leichtes Spiel. Die Folge ist immer eine Aktivierung des Immunsystems mit einer Entzündung. Kurzfristig kein Problem langfristig entstehen weitere Erkrankungen.

 

Isst du nun dauerhaft Getreide, führt das zu einer dauerhaften Öffnung der Tight Junctions woraus sich ein Leaky Gut (löchriger Darm) entwickeln kann. Das bedeutet, auch ohne die Wirkung von Gliadin ist der Darm durchlässiger und wehrt Fremdkörper nicht mehr effektiv ab. Das kann soweit führen, dass die Zotten durch körpereigene Abwehrstoffe zerstört werden und die Darmbarriere entzündet.

 

Diese heftige Reaktion stellt eine Autoimmunerkrankung dar, bei der der Körper eigenes Gewebe angreift. Bei diesem Krankheitsbild der Zöliakie lösen bereits kleinste Mengen Getreide Bauchkrämpfe und Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Verstopfung aus. Allerdings gibt es auch andere Symptome, die viel unscheinbarer sind wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit, Verdauungsbeschwerden, Benommenheit oder Hautveränderungen. Die diagnostizierten Fälle der Zöliakie betragen gerade mal um die 2000 Patienten. Die Dunkelziffer ist weitaus höher, denn viele Betroffene und auch Ärzte führen die vielseitigen Beschwerden nicht auf das Gluten zurück.

 

Bestimmte Faktoren können auch direkt den Bürstensaum und die Darmzellen angreifen und damit ebenfalls zu Löchern in der Barriere führen:

 

  • Alkohol 
  • Medikamente wie Antibiotika, Anti Baby Pille, Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac, Östrogene, Säureblocker
  • Saponine und Lektine (Saponine kommen in Hülsenfrüchten, Soja, Spargel, Tomaten, Kartoffeln vor - vor allem Soja ist in hohen Mengen bedenklich, da sie Saponine durch die Zubereitung nicht abgebaut werden und zu Löchern in der Darmwand führen)
  • Mikropartikel 
  • Ungleichgewicht der Darmbakterien

 

Eine ständige Öffnung der Tight Junctions, eine Schädigung der Darmzellen bzw. das sich daraus entwickelnde Leaky Gut führt zu weiteren Folgen, auch außerhalb des Darms: 

  • Öffnung der Körperbarrieren in Haut und Lunge
  • Autoimmunerkrankungen (Asthma, Zöliakie, Morbus Crohn, Collitis ulcerosa, Multiple Sklerose, Rheuma, Hashimoto)
  • Psychische Erkrankungen
  • Allergien 
  • Reizdarmsyndrom 
  • Fettleibigkeit 
  • Metabolisches Syndrom
  • Nichtalkoholische Fettleber 
  • Chronische Entzündungen
  • Vorstufen zu weiteren Erkrankungen (z.B. Krebs) werden gefördert

 

Ein Leaky Gut äußert sich auf viele Weisen: 

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit 
  • Gelenk- und Muskelschmerzen 
  • Kopfschmerzen
  • Energielosigkeit 
  • Leistungsschwäche 
  • Depressionen und Stimmungsschwankungen 
  • Magen Darm Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchkrämpfe, Magenschleimhautentzündungen, Reflux 
  • Hohe Infektanfälligkeit 
  • Nährstoffmangel 

 

Auch Stress, Umwelteinflüsse, die Zusammensetzung deiner Darmflora, bisherige Erkrankungen und Medikamenteneinnahme können zu einem Leaky Gut führen!

 

Good Life Getreide: Im Vergleich - Ernährung mit und ohne Getreide und Milch und der Einfluss auf die Körperkomposition

Hier siehst du ein Bild von mir im Abstand von einer Woche. Der Unterschied? Meine Ernährung.

 

Links: 4 Tage Brötchen, Kuchen, Milchprodukte, wenig Gemüse und Eiweiß, verarbeitete Lebensmittel und ein paar Süßigkeiten -also die Standardernährung der Deutschen.

 

Die Folge? Blähbauch, Träge, Unwohlsein, Heißhunger, Willensstärke ist gering und ich bekomme eine sehr schmerzhafte Periode begleitet von Migräne (ja deine Ernährung hat auch darauf Einfluss) 

 

Rechts: 6 Tage später. Kein Getreide, keine verarbeiteten Lebensmittel. Viel Gemüse, Protein und gutes Fett. Bewegung. Ich fühl mich wieder wohl, habe Energie, keine Lust auf Süßes oder Brot und meine Entscheidungsfähigkeit ist wieder da.

Bauchhirn

In deinem Körper kommuniziert alles miteinander und beeinflusst sich gegenseitig. Besonders spannend ist die Verbindung zwischen Darm und Gehirn über den Vagus Nerv und über Botenstoffe, die vom Darm an das Gehirn gesendet werden. In den letzten Jahren gab es viele Studien zu dieser Verbindung, hier ein paar spannende Fakten:

 

  • Geht es deinem Darm nicht gut, geht es dir nicht gut - Deine Darmflora hat eine direkte Auswirkung auf dein psychisches Wohlbefinden (unter anderem durch Bildung von Neurotransmittern wie Serotonin)
  • Du beeinflusst deine Darmflora über deine Lebensweise - Ernährung, Umwelteinflüsse, Stress, Medikamente, aber auch die eigene Geburt & ob du gestillt und geimpft wurdest haben Einfluss auf deine Darmflora 
  • Darmbakterien steuern dein Essverhalten - Isst du viel Zucker und verarbeitetes, verlangen deine Darmbakterien und damit dein Gehirn nach mehr davon
  • Darmbaktieren übernehmen wichtige Stoffwechselfunktionen - Sie produzieren Hormone und Botenstoffe, sowie Fettsäuren und Vitamine
  • Darmbakterien sind Teil deines Immunsystems und bilden eine Abwehrtruppe gegen Krankheitserreger, hast du eine Grippe oder Infektion wird dein Körper lahmgelegt. Entzündungsfördernde Botenstoffe gelangen vom Darm in den gesamten Körper, auch ins Gehirn und machen dich so Handlungsunfähig. Kurzfristig wichtig, um zu Genesen. Langfristig nicht gut. Aus chronischen Entzündungen werden so Depressionen und andere Erkrankungen.
  • Dumm wie Brot - Dein Gehirn ist von deinem Körper durch eine Blut-Hirn-Schranke getrennt. Aus gutem Grund - in die Schaltzentrale dürfen eigentlich nur ganz bestimmte Stoffe. Eine verschobene Darmflora beeinflusst hier die Barriere und führt zu einer Entzündung auf Gehirnebene
  • Bauchgefühl - Deine Emotionen und Gedanken lösen Reaktionen im ganzen Körper durch Hormonbotschaften aus. Machst du dir psychischen Stress öffnet dies die Barriere im Darm, zusätzlich reagiert dein Körper mit der Ausschüttung von Cortisol - kurzfristig wichtig, dauerhaft entzündungsfördernd und Darmflora verändernd
  • Darmgesundheit = Gehirngesundheit - Forscher fanden heraus, dass bei Autismus, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen die Darmflora massiv gestört und der Körper chronisch entzündet ist. Wurde wieder ein Gleichgewicht hergestellt, linderten sich auch die Krankheitssymptome

Was hat das jetzt mit Gluten zu tun? So einiges. Denn wenn Gliadin deinen Darm schleichend kaputt macht, dann führt das durch die übergreifende Verbindung auch zu Folgen im restlichen Körper und im Gehirn. Psychische Erkrankungen wie Alzheimer, Depressionen, Multiple Sklerose, Autismus, Epilepsie usw. aber auch Allergien, Autoimmunerkrankungen und Krebs könnten ihre Anfänge in entzündlichen Prozessen haben und diese beginnen im Darm. Bei jeder Erkrankung ist dein Immunsystem beteiligt. Immer.

 

Untersuchungen konnten zeigen, dass bei 50 % Autismus und Down Syndrom Patienten eine Glutenintoleranz vorliegt. Wurde Gluten aus der Ernährung gestrichen, linderten sich auch die Krankheitssymptome. 

Brain fog

Du kennst das bestimmt auch: Nach einer Portion Nudeln, Pizza oder anderen Weizengerichten, bist du so richtig träge und müde. Eigentlich wäre jetzt ein Schläfchen ganz gut. Konzentriert und fokussiert arbeiten? Geht eher schlecht. Du bist wie benebelt - der sogenannte Brain Fog tritt nach hohem Kohlenhydratkonsum ein, bzw. ist mit schlechter Ernährung ein dauerhafter Begleiter.

 

Es kommt zu einer "postprandialen Entzündung" - also einer Immunreaktion auf das Essen, denn auch das ist erstmal ein Fremdkörper. Umso höher die Kalorienmenge und der Zuckeranteil im Essen, desto höher und länger fällt die Reaktion aus.

 

Dein Körper ist voll und ganz mit der Verdauung beschäftigt und benötigt dafür, sowie für die Immunantwort die meiste Energie. Muskel- und Denkleistungen sind jetzt erstmal hinten angestellt. Diese Entzündungsreaktion kann bis zu 8 Stunden anhalten!

Allerdings nicht das Sättigungsgefühl - hat dein Körper alles verdaut, dauert es nicht lange, bis du wieder Heißhunger bekommst und erneut auf die Suche nach Zucker gehst. Damit fährt auch die Entzündungsreaktion wieder hoch.

 

Das Gliadin aus dem Weizen löst über die Darm-Hirn Achse auch Reaktionen in deinem Gehirn aus. Gliadin wird im Darm zu Exorphinen zerlegt, die im Gehirn an Opiatrezeptoren binden. Das sind die selben Rezeptoren, die auf Opioide, wie Heroin, Morphin und Oxytocin reagieren. Und so führt Weizen zu Euphorie, gesteigertem Appetit, Heißhunger und macht träge. Zudem entsteht auch eine Art Taubheit und du fühlst viel weniger, was in deinem Inneren los ist und dass dir die Nahrung nicht gut tut. So wirst du regelrecht süchtig nach mehr und isst weiter, obwohl du eigentlich schon satt wärst.

 

Werden diese Rezeptoren durch Opiatblocker besetzt, sodass die Exorphine dort nicht andocken und eine Reaktion auslösen können, sinkt die Kalorienaufnahme um 400 kcal. 

 

Weizenwampe

Weizen steigert also die Kalorienaufnahme, durch die Wirkung von Gliadin bzw. Exormorphinen im Gehirn. EIne höhere Energieaufnahme ohne ausgleichende Bewegung führt langfristig zu Gewichtszunahme. Und da wird keine Muskulatur aufgebaut, sondern Fett. 

 

Kohlenhydrate werden im Körper zu Glucose (= Traubenzucker) verarbeitet. Glucose dient dem Körper als Energielieferant. Muskeln und Leber können Glucose speichern, wenn diese aus der Nahrung zugeführt wird.

Wenn du trainierst, joggen gehst, Rad fährst, aber auch wenn du Denksport betreibst oder schläfst, verbraucht dein Körper Glucose, um Energie zu produzieren. Je nachdem wie sehr du dich anstrengst, mehr oder weniger davon. Dabei versorgt die Leber deine Organe über die Blutbahn mit Glucose und deine Muskulatur versorgt sich selbst. Sie braucht Glucose allerdings auch nur, wenn sie genutzt wird. Bewegst du dich wenig, verbraucht deine Muskulatur weniger Glucose und braucht auch keinen Energienachschub. 

 

Sind die Glucosespeicher in Leber und Muskeln voll (und das sind sie, wenn du regelmäßig Kohlenhydrate isst und dich wenig bewegst), speichert der Körper natürlich trotzdem die zugeführte Energie. Aus evolutionärer Sicht wird hier nichts verschwendet! Es könnte ja wieder eine Notsituation eintreffen. Also wird die Glucose in Fett umgewandelt und im Fettgewebe gespeichert. Denn dieser Speicher kann sehr viel mehr Aufnehmen, als Leber und Muskulatur.

 

Dabei wächst der Bauch und baut Fett auf, das um die Organe liegt. Und wie oben schonmal kurz angedeutet, wird auch Fett als Schutz  bei Entzündungsreaktionen aufgebaut. Dieses "viszerale Fett" kann gefährlich werden, denn auch das entzündet sich aufgrund von Platzmangel und Zelltod und gibt entzündungsfördernde Botenstoffe in die Blutbahn ab.

 

Die bestehende Entzündung, die vom Darm ausgeht, wird also durch das Körperfett noch verstärkt und die gesundheitlichen Folgen angefeuert. Der ganze Körper steht in Flammen. Und dann bekommst du die Empfehlung statt Weißmehl Vollkornmehl zu essen. Denkst du immer noch, dass das eine gute Alternative darstellt?

Fazit

Getreide ist ein sehr beliebtes Nahrungsmittel. Es zählt zu den Hauptnahrungsmitteln der ganzen Welt und ist für viele Menschen nur sehr schwer wegzudenken. Leider steht dahinter eine sehr große Wirtschaft, die lediglich die ständige Optimierung des Ertrages und damit der Einnahmen im Sinn hat, ohne auch nur einen Gedanken an die gesundheitlichen Folgen zu verschwenden. 

 

Menschen, die eigentlich Aufklären und Wissen vermitteln, sowie zu einer besseren Gesundheit beitragen sollen, empfehlen munter Vollkorn statt Weißmehl und geben damit keine gute Alternative, denn die Wirkung im Körper ist nahezu identisch - Leaky Gut, Entzündungen, Unverträglichkeiten, Allergien, Autoimmunerkrankungen, psychische Erkrankungen, Krebs uvm. ergeben sich aus jahrelanger Fehlernährung mit Getreide, Milch und minderwertigem Fleisch. Viele Gesundheitsorganisationen und öffentliche Stimmen wollen den Menschen weis machen, dass ihnen nur die Bewegung fehle - wir sitzen zu viel. Das ist auch richtig, aber eben nur ein Punkt, von vielen, der zu den hohen Zahlen an Übergewicht, Diabetes, Krebs usw. führt.

 

Getreide liefert dir keine nennenswerten Nährstoffe, sondern führt eher noch dazu, dass Nährstoffe aus anderen Lebensmittel nicht optimal aufgenommen werden können. Dein Darm wird durch langjährigen Getreidekonsum geschädigt und das hat Folgen für deinen restlichen Körper und deine Gesundheit. 

Natürlich wirst du von einer Scheibe Brot oder einem Stück Kuchen nicht gleich krank - die Dosis macht das Gift. Allerdings essen die meisten Menschen mehrmals am Tag mehrere Produkte in denen Getreide oder auch reines Gluten (Weizenkleber, Weizenprotein) verarbeitet ist und provozieren damit auch mehrmals am Tag die geschilderten Reaktionen im Körper. Wenn dein Körper gesund ist, ist er toleranter gegenüber Giften und Schadstoffen.

 

Nicht sofort, aber schleichend entwickeln sich die aufgeführten Probleme. Und mit 40 oder 50 bekommen viele dann die ersten chronischen Erkrankungen. Das ist eben mit dem Alter so?

 

Nein, das ist nicht normal.

 

Meine Empfehlungen für dich

  1. Vermeide Getreide und Produkte die daraus verarbeitet werden, vor allem wenn du bereits gesundheitliche Beschwerden hast
  2. Wenn du Brot essen willst, dann mach es selbst - nutze dafür alte Sorten wie Emmer, Einkorn oder Roggen (Biomarkt / Reformhaus) und mach dir daraus traditionelles Sauerteigbrot - es bleibt dennoch relativ nährstoffarm
  3. Nutze alternativ Maniok- oder Mandelmehl zum Backen 
  4. Wenn du hohe Kohlenhydratmengen isst, achte auf ausreichende Bewegung - Zucker musst du dir verdienen 
  5. Tu deinem Darm etwas gutes und vermeide stark verarbeitete Lebensmittel, Milch und zugefügten Zucker 
  6. Reduziere Stress und sorge für ausreichend Entspannung 
  7. Iss probiotische Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, saure Gurken etc. (auf die Herstellung achten oder selber machen, darf nicht erhitzt sein)  
  8. Beilage beim Essen sollte vor allem viel unterschiedliches Gemüse sein - dazu gutes Öl und Protein - du hast nach dem Essen Energie, bist satt und der Brain Fog bleibt aus 
  9. Verzichte auch auf glutenfreie Alternativen aus dem Supermarkt, denn sie sind leider ebenfalls kein Lebensmittel, die dir Nährstoffe liefern. Zwar wird dafür kein Getreide verwendet, allerdings andere Minderwerte Mehle (z.B. Maismehl)
  10. Sind Pseudogetreide ok? Durch die Pflanzenabwehrstoffe sollten Pseudogetreide auch eher selten auf dem Speiseplan stehen. Hier gilt ebenfalls, wenn du bereits Erkrankungen oder Beschwerden hast, solltest du komplett darauf verzichten. 

Ich bin gespannt auf dein Feedback! Schreib mir eine Nachricht oder hinterlass einen Kommentar. Schau dir meine Rezepte für alternative Mahlzeiten ohne Getreide an oder nimm Kontakt zu mir auf, wenn du mehr Unterstützung bei deiner Umstellung brauchst. 

 

Liebste Grüße, 

dein Gesundheitscoach Chantal 


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Kommentare: 2
  • #1

    Angelika Jovanovic (Sonntag, 09 Juni 2019 13:15)

    Wunderbarer Artikel ich bin begeistert, da ich selbst auch von vielen Sachen betroffen bin. Weiß ich ganz gut, das Dein Couching die Beste Entscheidung war und ich in den besten Händen bin �❤️

  • #2

    Carsten (Freitag, 25 Oktober 2019 08:01)

    Hallo Chantal, sehr gute Zusammenfassung.

    Sehr gerne, wenn schon zwei mal meine Seite als Quelle genutzt, als Backlink verlinken.
    Top, weiter so.

    Lg Aus Leipzig

    (www.functional-basics.de