Immunsystem

Was ist eigentlich das Immunsystem?

 

Komische Frage?! Das weiß doch jeder... 

Das Immunsystem ist wichtig, damit wir nicht krank werden und es bekämpft Krankheitserreger. Im Herbst und Winter müssen wir es stärken, weil dann Erkältungszeit ist. 

Und wenn es doch mal zur Erkältung kommt und man mit Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen und Reizhusten am liebsten ein paar Tage im Bett bleiben würde, dann hilft Grippostad C, damit du auf der Arbeit bloß keinen Tag ausfällst -  das sagt ja die Werbung auch immer. 

 

Äh ok... Steckt da vielleicht noch mehr dahinter?  

 

Evolution

 

Solange es Menschen gibt, gibt es auch schon den Kontakt zu Krankheitserregern (=Pathogene wie Viren, Bakterien und Pilze) und einen Wettkampf um's Überleben. Mikroorganismen haben im Laufe der Vergangenheit "Waffen" entwickelt, gegen die wir uns nur schwer verteidigen können. 

 

Das menschliche Immunsystem musste sich daher ständig an neue Anforderungen anpassen: Klimaveränderungen, Mangel an Nahrung und Wasser, fehlende Hygiene und mikrobielle Belastung, sowie die Notwendigkeit für Bewegung zur Nahrungsbeschaffung, um Unterkünfte zu bauen und den Standort zu wechseln. 

 

Wäre der Körper nicht in der Lage gewesen eine Abwehr gegen die Bedrohung von Pathogenen aufzubauen, wäre die Menschheit ganz schnell ausgestorben. 

 

Dieser Selektionsdruck trotz Pathogenen und einem hohen Infektionsrisiko zu überleben und sich fortzupflanzen, führte dazu, dass sich unser Immunsystem weiterentwickelt hat. Es ist enorm effektiv und besteht aus einem großen Team unterschiedlicher Mitspieler,  die alle aufeinander angewiesen sind, wobei jeder eine andere Aufgabe hat. 

 

Insgesamt gibt es 8 Immunkomponenten plus die Verhaltensebene, denn wir können auch durch unsere Handlungen Krankheitserregern von vornherein aus dem Weg gehen (zB Ekelgefühl und Flucht, wenn jemand total verrotzt und hustend neben dir in der Bahn sitzt). Jede Komponente hat eine andere Spezialisierung und wird unterschiedlich aktiviert. Sie arbeiten teilweise zeit verzögert, bauen aufeinander auf und beeinflussen sich gegenseitig. Somit ist das Immunsystem hoch effektiv.

 

Und es ist sogar soweit angepasst, dass es sich je nach Alter und Lebensabschnitt verändert. Als Säuglinge kommen wir nur mit einem angeborenen Immunsystem auf die Welt, dass vor allem durch unsere Mutter, die Zeit im Mutterleib, die Geburt und die ersten 6 - 12 Monate geprägt wird (könnte bereits das Verhalten und ein Nährstoffmangel der Mutter während der Schwangerschaft erste Schalter für spätere Erkrankungen legen? Ohja.)

 

Erst im Laufe unserer Kindheit entwickeln wir eine zweite Abwehrtruppe, das erworbene Immunsystem, das sehr viel spezifischer und gezielter auf Pathogene reagieren kann, je nachdem welchen Herausforderungen wir ausgesetzt sind. 

 

Die Schwangerschaft stellt eine ganz besondere Anforderung für das Immunsystem der Frau dar, denn in diesen 9 Monaten trägt sie Zellen in sich, die nicht zu ihrem Körper gehören und dennoch nicht bekämpft werden. Das Immunsystem muss sich demnach umstellen und die körperfremden Zellen des Fötus zulassen. 

 

Diese Anpassungsfähgkeit des Immunsystems ist unser Überlebensvorteil und hat sich über Millionen von Jahren entwickelt. Die Zusammenhänge reichen weit über ein wenig Grippostad bei Erkältung hinaus. 

 

 

Die Anforderungen haben sich geändert

 

Heute hat unser Körper immer noch die evolutionäre Grundeinstellung von früher, während sich unsere Umfeld und die auf uns Wirkenden Herausforderungen verändert haben: 

  • Nahrung und Wasser dauerhaft verfügbar
  • Reizüberflutung mit schlechten Nachrichten 
  • Umweltverschmutzung 
  • Existenzielle Bedrohung nicht mehr durch Gefahren von außen, sondern vor allem von innen, zB finanzielle Sorgen 
  • Psycho-Emotionaler Stress
  • Mahlzeitenfrequenz - richtigen Hunger kennen wir nicht mehr, es wird zu oft und zu viel gegessen 
  • Qualität der Nahrung 
  • Medikamente 
  • Drogen, Alkohol, Nikotin
  • Bewegungsmangel - Notwendig für Bewegung fehlt 
Auf all diese Anforderungen reagiert unser Immunsystem. Und es reagiert genauso, wie es evolutionär geprägt wurde. Jedesmal.
Könnten die vielen neuen Anforderungen, die täglich mehrfach auf uns wirken eventuell zu Problemen führen? 

Angriff oder nicht

 

Woher weiß dein Immunsystem denn, was Freund ist und bleiben darf oder was Feind ist und bekämpft werden muss? 

 

Denn immerhin leben auf und in uns Millionen von Mikroorganismen, also Fremdkörper, die geduldet werden. Und auch harmloser Staub oder Pollen, die wir einatmen, werden nicht direkt mit harten Geschützen bekämpft, wenn du nicht gerade an einer Allergie leidest. 

 

Jede Körperzelle hat bestimmte Signalmoleküle (Sialinsäuren - bei Menschen Neu5ac), die sie wie Fähnchen als körpereigen kennzeichnen. Dazugehörige Rezeptoren auf den Immunzellen erkennen diese Fähnchen. Beim Ablesen bleiben die Immunzellen dann entspannt und eine Immunreaktion wird gehemmt - sie wissen somit "der darf bleiben, nicht aufregen". Fehlt ein Fähnchen, hängt etwas unbekanntes daran oder entspricht es nicht dem körpereigenen Signalmolekül, schlagen die Immunzellen Alarm.  

 

Jede Immunzelle hat zudem noch andere Rezeptoren auf der Außenseite, aber auch in ihrem Inneren, mit denen sie Gefahrensignale wahrnehmen können. Bei einem Feindkontakt werden Immunreaktionen in Gang gesetzt. 

 

Die Immunzellen der erworbenen Abwehr erhalten sogar eine extra "Schulung" im Thymus, bei der sie auf Fremderkennung geprägt werden. Dabei erfolgt auch eine doppelte Absicherung, wodurch Immunzellen, die zu stark an körpereigenes Gewebe binden, aussortiert werden, damit sie dieses als ausgereifte Zellen nicht angreifen.

 

 

Abwehr ohne Kampf

 

Das erste Ziel des Immunsystems wird es immer sein, Pathogene gar nicht erst rein zu lassen. Das ist die einfachste, günstigste und sicherste Art für den Körper mit Erregern fertig zu werden. 

Dafür haben im Laufe der Evolution anti-entzündliche Maßnahmen zugenommen und sie setzen ein, bevor etwas passiert.


Dazu zählt zB die Verhaltensebene, mit einem reaktiven und proaktiven Anteil.

Reaktiv schützt sie vor sozialer Interaktion mit hohem Infektionsrisiko. Je aktiver unser Immunsystem bereits ist, desto ausgeprägter wird diese Komponente sein und wir ziehen uns zurück (könnte es einen Zusammenhang zwischen Fremdenfeindlichkeit und dem eigenen Gesundheitsstatus geben? Andere Kulturen bringen andere Pathogene mit ;-) ). 

 

So stressen uns dann bereits größere Menschenmengen oder auch das Verreisen. Der Drang zu Hause zu bleiben, sowie alles beim Alten zu belassen steigt und die Geselligkeit nimmt ab. Denn jede Abweichung vom Bekannten bringt eine potenzielle pathogene Gefahr mit sich. Und dann kostet auch jede Veränderung einen enormen Kraft- und Energieaufwand.

 

Proaktiv werden wir durch gesellschaftliche und kulturelle Normen geschützt, zB durch Lebensmittel, die in unserer Kultur schon hunderte Jahre verzehrt werden und auch durch deren traditionelle Zubereitung.

 

Mit steigendem Keimspektrum steigt auch das Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe und ihren Normen. Außerdem wird Verhalten gegen die Norm dann strenger Sanktioniert. Gleichzeitig nimmt die Offenheit für neue Herausforderungen ab. 

 

Könnte es auch hier einen Zusammenhang zwischen dem bereits aktiven Immunsystem und dem teilweise großen Widerwillen für Veränderungen in Ernährungsgwohnheiten und Lebensstil geben? Oder auch dem teils fanatischen angehören bestimmter Ernährungsformen? 

 

Unser Immunsystem steuert unser Verhalten. Unterbewusst findet immer eine Kosten-Nutzen-Analyse statt. Wie hoch ist die Infektionsgefahr und welchen Nutzen erhalte ich, wenn ich mich der Bedrohung dennoch aussetze? 

 

Evolutionär gesehen wird das Wohl der Gruppe durch jemanden, der anders handelt bedroht. Gleichzeitig wird man als Einzelgänger weniger gut überleben, als mit Gleichgesinnten. Wie schon Eingangs erwähnt, haben wir diese evolutionären Programme immer noch in uns. Mit diesem Wissen im Hinterkopf, fällt es dann vielleicht leichter, unser eigenes Verhalten (und das unserer Mitmenschen) zu verstehen und positiv zu beeinflussen. 

 

Findest du diesen Punkt auch so spannend wie ich?

 

Keine Sorge, es geht sogar noch weiter, denn neben der Verhaltensebene gibt es natürlich noch mehr Mechanismen der Abwehr. Und einige von ihnen fahren richtig schwere Geschütze auf.

 

 

Die Verteidigungslinien

1. Abwehr - physikalische barrieren

Diese erste Linie der Verteidigung verhindert das Eindringen von Pathogenen und ist die Grenze zwischen außen und innen. Sie besteht aus 3 räumlich getrennten Barrieren, die sich aber auch gegenseitig beeinflussen können.
1. Haut
  • Fläche von ca. 2 Quadratmetern
  • Abwehr durch Hornschicht, Schweiß, Schleim, Talg, Tränen, Lactobazillen, Säure, Ohrenschmalz, Haare, Wimpern, Speichel
  • Proteine wie Lactoferrin und Lysozym wirken antibakteriell und antientzündlich, sie greifen Bakterien an und sind in Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränenflüssigkeit, Schleim, Muttermilch, Sekreten, Schweiß und in Immunzellen (Lysozym) enthalten
 
2. Atemwege 
  • Fläche von ca. 100 Quadratmetern 
  • Abwehr durch Schleim, Flimmerhärchen, Nies- und Hustenreflex, Epiglottis
  • Lactoferrin und Lysozym 

3. Verdauungstrakt 
  • Fläche von ca. 500 Quadratmetern !
  • Abwehr durch Speichel, Magensäure, Schleim, 100 Trillionen Bakterien, Pilze & Viren
  • Die Bakterienstämme im Verdauungstrakt (von Mund bis After) sind wie alte Freunde und werden nicht vom Immunsystem als Feinde eingestuft, denn sie leisten wichtige Arbeit für unsere Verdauung und die Immunantwort
  • Unter anderem wirken die Bakterien anti-entzündlich, schützen vor Pathogenen, indem sie diese Verdrängen und gar nicht erst ansiedeln lassen. Sie reduzieren vorhandene Nährstoffe, die den Erregern zum Wachstum helfen würden und blockieren das Eindringen der Pathogene in die Darmzellen
  • Ein Gleichgewicht zwischen den guten Bakterien und derer, die uns in großer Zahl schaden könnten, ist hier ausschlaggebend. Bei Erkrankungen ist in vielen Fällen die Darmflora verändert und das Gleichgewicht der guten Bakterien stark gestört
 
Diese Barrieren sind normalerweise geschlossen und lassen nur ganz gezielt Stoffe passieren. Bei Stress zB öffnet sich die Darmbarriere, um mehr Wasser aufnehmen zu können, das für den vermehrten Energiebedarf gebraucht wird. Vollkommen normal und sinnvoll.
Chronischer Stress und dauerhaft offene Darmbarrieren, sind allerdings ein Problem. Denn mit offenen Barrieren stehen auch die Türen für Krankheitserreger offen. Und das auf ca 600 Quadratmetern Oberfläche. 
Leider gibt es heutzutage so einige Faktoren, die bereits unsere erste Abwehr, also die Barrieren, schädigen: 
  • Getreide 
  • Zucker 
  • Hülsenfrüchte (zB Linsen, Erbsen, Erdnüsse)
  • Soja 
  • Chronischer (psycho-emotionaler) Stress
  • Pestizide und Umweltgifte 
  • Chemie aus Kosmetik und Reinigungsmitteln
  • Medikamente 
  • Rauchen und Alkohol
  • Ungleichgewicht in der Darmflora
Für solche Fälle patrouillieren direkt hinter den Barrieren viele Immunzellen, die sofort eingreifen können, wenn eine Barriere durch eine Verletzung (Schnittwunde) oder einen der genannten Faktoren geöffnet wird. Da nun vermehrt Krankheitserreger ins Körperinnere gelangen können, muss eine schnelle Reaktion erfolgen können. Dabei kommt gleich die zweite Abwehrlinie ins Spiel. 
Und ja mit jedem Öffnen der Barrieren, erfolgt eine Immunreaktion. Sind die Barrieren dauerhaft durchlässig, dann hast du auch dauerhaft ein aktives Immunsystem. Und das führt zu einer Vielzahl an Problemen, von Übergewicht, über chronische Entzündungen, Allergien, Rheuma, Depressionen, Fibromyalgie uvm.

2. abwehr - das angeborene immunsystem

 

Diese Verteidigungslinie ist ziemlich geübt in dem was sie tut, denn sie ist ca 500 Millionen Jahre alt. Sie ist der älteste Teil unseres Immunsystems und ist für viele Lebensweisen die einzige Art der Abwehr.
Die wichtigsten Organe unseres Immunsystems sind:
  • Knochenmark - Bildung aller Immunzellen = Leukozyten = weiße Blutkörperchen
  • Thymus - Schule der T- Lymphozyten 
  • Lymphgefäße und -knoten - Transport der Immunzellen & Immunantwort prägender Kontakt zwischen Antigenen und Immunzellen des erworbenen Immunsystems
  • Milz - Beseitigung von alten Blut- und Immunzellen, Abfallentsorgung aus Immunreaktionen 
Die Immunzellen dieser Abwehrlinie sind vor allem hinter den 3 Barrieren zu finden - unter der Haut und in den Schleimhäuten. Sie bilden eine schnelle und unspezifische Verteidigung und erkennen durch die Rezeptoren auf ihrer Oberfläche eine begrenzte Anzahl an Infektions- und Alarmsignalen, zB von Bakterien, Keimen und Viren. Einmal aktiviert, gehen sie nach der Haudrauf Methode vor und alles in ihrer Umgebung kann etwas der Abwehrreaktion abbekommen.
Die angeborene Abwehr besteht aus verschiedenen Immunzellen, den Phagozyten, die im Knochenmark heranreifen und entweder schon fertig ins Blut abgegeben werden oder im Einsatzgebiet ihre vollständige Funktion entwickeln. Dazu gehören: 
  • Makrophagen
  • Neutrophile Granulozyten, Eosinophile Granulozyten, Basophile Granulozyten 
  • Mastzellen 
  • Dendritische Zellen 
  • Komplementsystem
Wenn Krankheitserreger die 1. Schutzschicht überwinden und ins Körperinnere gelangen sind es diese Zellen, die als Erstes reagieren. Sie patrouillieren an allen Barrieren zur Außenwelt, kommunizieren mit dem gesamten Körper und rufen Verstärkung, wenn sie Eindringlinge finden. 
Einige von ihnen können als Angriff entweder giftige Substanzen freisetzen oder selbst Pathogene fressen (=phagozytieren). Teile der gefressenen Erreger werden von den Phagozyten in die Lymphknoten transportiert, um dort die Immunzellen der erworbenen Abwehr (=Lymphozyten) auf Gefahren aufmerksam zu machen und zu aktivieren. Bei einer Abwehrreaktion deines Körpers spürst du das zB durch geschwollene Lymphknoten.
Phagozyten können Antikörper des erworbenen Immunsystems binden und damit gezielter auf Erreger reagieren.
Stell es dir so vor: Sie bekommen eine Waffe mit Zielrohr und dieses Zielrohr erkennt, je nachdem welche Waffe sie nun tragen, ganz spezielle Feinde. Ein Zielrohr kann dann zB nur eine Bakterienart erkennen - ist diese erkannt, wird geschossen.
Auch wenn du eine Verletzung hast, zB eine Schnittwunde, ist das Immunsystem an erster Stelle, um das Eindringen von Erregern durch die offene Barriere zu verhindern. Außerdem entfernen die Immunzellen abgestorbene Zellen und sind am Aufbau von neuem Gewebe und Blutgefäßen beteiligt. 
Bestimmte Eiweiße des Komplementsystems markieren die Pathogene zusätzlich und locken weitere Immunzellen an. Die Verstärkung erkennt dann die markierten Zellen leichter und kann sie direkt bekämpfen.
Das Komplementsystem kann nicht nur markieren, sondern auch bestimmte Bakterien unschädlich machen, indem es deren Außenhülle auflöst. Das passiert ohne Entzündung und dient dem Energiesparen des Immunsystems. 
Für die Kommunikation mit dem restlichen Körper schütten die Immunzellen bei Feindkontakt Entzündungsbotenstoffe aus, was mehr Immunzellen anlockt und eine mehr oder weniger starke Entzündung nach sich zieht. Diese Entzündungsreaktion ist außerordentlich wichtig, für das korrekte Ablaufen der Immunantwort und auch, damit die Aktivität der Immunzellen wieder beendet werden kann. 
Zu Beginn einer Entzündung steigen Schmerz und entzündungsfördernde Substanzen stark an, solange bis ein bestimmter Checkpoint erreicht wird (siehe Bild unten). Erst dann schaltet der Körper von entzündungsfördernd, auf entzündungshemmend um und schüttet nun vermehrt schützende Substanzen aus, die die Immunreaktionen hemmen. Für diesen Vorgang sind u.a. die Omega 3 Fettsäuren EPA und DHA enorm wichtig (die du nur in Fisch und Algen findest). So kann die Entzündungsreaktion wieder abklingen und der Körper wird vor zu großem Flurschaden geschützt. 
Werden zu Beginn einer Erkältung oder Grippe entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol (in Grippostad C) eingesetzt, dann wird die notwendige Entzündungsreaktion des Immunsystems unterdrückt UND zusätzlich schädigen sie die Epithelzellen der Darmwand, führen also zu einer Öffnung der Darmbarriere und verursachen dadurch eine weitere Entzündungsreaktion. 
Zwar fühlst du dich dann erstmal Arbeitstauglicher als ohne Medikament, allerdings unterdrückst du die effektive Immunantwort deines Körpers auf den ursprünglichen Erreger. Der Infekt dauert damit noch länger und dein Körper wird in seiner natürlichen Arbeit behindert. 
 
Ebenfalls ein Problem sind Trigger, die zwar das Immunsystem aktivieren, aber nicht genug, um eine richtige Entzündung auszulösen. Hierdurch entsteht eine unterschwellige chronische Entzündung, die über Monate oder Jahre andauern kann. Mit schwerwiegenden Folgen. Hierauf werde ich aber in einem separaten Artikel eingehen.
Optimaler Ablauf einer Entzündung. Aus "Das Wirk Koch Buch", eigene Darstellung
Optimaler Ablauf einer Entzündung. Aus "Das Wirk Koch Buch", eigene Darstellung

das egoistische immunsystem

 

It's all about Energy! (Leo Pruimboom) 

 

Jede Zelle deines Körpers braucht Energie, um überleben und funktionieren zu können. Diese wird am besten aus Fett, aber auch aus Kohlenhydraten und Eiweiß gewonnen.

 

Durch die Entzündungsbotenstoffe wird die Energieverteilung zu Gunsten des Immunsystems und auf Kosten des restlichen Körpers geregelt. Denn eine Entzündungsreaktion ist teuer. Vor allem Energie aus Glucose und Baustoffe aus Aminosäuren (Eiweiß) werden dafür benötigt.

 

Hast du während einer Grippe Hunger und willst viel Essen? Nicht wirklich...  Woher kommt dann die Energie, die das Immunsystem für seine Abwehrreaktionen braucht?

 

Um die Energie zur Verfügung zu stellen werden die Stresssysteme des Körpers aktiviert, denn neben einer gesteigerten Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft, ist vor allem die Freisetzung von Energie aus den Körperreserven, die Hauptaufgabe der Stresssachsen.

 

Die Energie für den inneren Krieg gegen Krankheitserreger wird von anderen Organen abgezapft, deren Funktion in der Infektionszeit heruntergefahren wird. Deshalb fühlst du dich während einer Erkältung auch so schlapp, müde und hast Schmerzen. 

 

Die Entzündungsbotenstoffe lösen also auch Krankheitsverhalten aus und legen dich lahm. So hat das Immunsystem ausreichend Energie zur Verfügung, um arbeiten zu können. Bestenfalls bleibst du dann einfach im Bett und gibst deinem Körper die Ruhe, die er von dir verlangt. 

 

Eine Immunreaktion ist teuer und wird immer einen Schaden des Körpers in Kauf nehmen, damit nichts schlimmeres passiert. Wie bei einem Küchenbrand, entsteht durch das Löschen der Feuerwehr zwar ein Schaden, allerdings ist das immer noch besser, als wenn das ganze Haus abbrennt. 

Die Entzündungsreaktion ist dann von einer erhöhten Durchblutung, Schwellung, Rötung, Schmerz und eventuell auch Fieber begleitet. 
Diese Abwehrreaktionen des angeborenen Immunsystems sind unspezifisch und schnell. Sie dienen dazu, alles Fremde, was auch als Fremd erkannt wird zu vernichten, um es an der Ausbreitung zu hindern. 
Was aber, wenn es den angeborenen Komponenten nicht gelingt die Erreger abzutöten?

3. abwehr - das erworbene immunsystem

 

Die erworbenen Immunkomponenten sind langsamer und kommen erst nach 4 - 7 Tagen zum Einsatz, wenn immer noch Pathogene im Körper zu finden sind. Die Gene werden erst mit der Reifung ganz individuell zusammengesetzt, sodass eine enorme Vielfalt an Varianten entsteht. Die Immunzellen können sich dadurch an ihre Aufgabe anpassen.

 

Dadurch sind sie sehr treffsicher und spezifisch. Außerdem kann es sich Antigene der Erreger merken und sie dadurch beim nächsten Kontakt Wiedererkennen und schneller bekämpfen. 

 

Für die Kommunikation zwischen dem angeborenen und erworbenen Immunsystem sind die Antigen-Präsentierenden-Zellen (APC) verantwortlich. Zu ihnen gehören die Mastzellen, einige der Phagozyten und die dendritischen Zellen, die Bestandteile der Erreger aufnehmen und dann auf ihrer Oberfläche präsentieren wie ein Fandungsfoto. 

 

Die APC's wandern damit in den nächsten Lymphknoten, in dem die Immunzellen des erworbenen Immunsystems (= Lymphozyten) auf ihren Einsatz warten. Jetzt wird das Fahndungsfoto präsentiert und der dazu passende Lymphozyt gesucht. Je nachdem welchen Erreger die APC's aufgenommen haben, wird sich die Immunantwort auch unterscheiden. 

 

Wurde der Erreger außerhalb der Körperzelle, also im Blut oder Gewebe gefunden, wird eine Reaktion der B-Lymphozyten folgen. Diese bilden sich zu Plasmazellen aus und produzieren Antikörper gegen den Erreger. 

 

Diese passen an das Pathogen wie ein Schlüssel ins Schloss - jeder Antikörper passt nur zu einem bestimmten Antigen (Antigen = Substanz, die Immunreaktion hervorruft). Hat sich ein Antikörper an ein Antigen gebunden (Handschellen angelegt), ist der Erreger durch den Antikörper gekennzeichnet. Das können andere Immunzellen erkennen (zB Phagozythen) und den Erreger bekämpfen. 

 

Wenn die Immunreaktion abklingt, werden B-Lymphozyten teilweise zu Gedächtniszellen, die sich an die Antigene erinnern und beim nächsten Kontakt schneller reagieren können. 

 

 

Es ist ein wenig so, wie wenn dir jemand in der Schule einen Streich spielen will: Person A (APC) zeigt Person B (B-Zelle) dein Foto - Person B wird nun Klebezettel (Antikörper) mit "Tritt mich" vorbereiten und dir immer einen ankleben, wenn er dich sieht. Demnach wirst du von jedem der es lesen kann (Phagozyt) einen Tritt bekommen.

 

Werden die APC's durch ein Pathogen aktiviert, das bereits innerhalb einer Zelle sitzt und sie infiziert hat, dann reagieren T-Lymphozyten mit einer zelltötenden Entzündungsreaktion. 

 

Ist der passende T-Lymphozyt gefunden wird er sich teilen und vermehren, um eine Armee gegen den Erreger aufzubauen. Jede Zellteilung dauert dann 12 Stunden und ist damit relativ langsam. 

Auch aus einem Teil der T-Lymphozythen werden zur erneuten Antigenerkennung Gedächtniszellen gebildet, damit die Reaktion beim nächsten Mal nicht mehr so lange dauert.

 

Stell dir vor: Ein Verbrecher in deiner Stadt hat Geiseln genommen. Er sitzt in einer Bank und droht damit unschuldige Menschen zu töten. Um schlimmeres zu verhindern, wird ein Spezialeinsatzkommando gerufen, die den Verbrecher überwältigen sollen, bevor Menschen sterben, er die Kontrolle übernehmen und auch andere Banken überfallen kann. Das Einsatzkommando wird, einmal aktiviert, nicht lange Fackeln und den Verbrecher ganz gezielt aus dem Verkehr ziehen.

 

Ist der Verbrecher gefasst, wird seine Akte gespeichert. Das passende Spezialeinsatzkommando muss das nächste Mal nicht extra herausgesucht werden und sie können schneller reagieren.

 

Das erworbene Immunsystem muss also zuerst aktiviert werden, woraufhin die Zellen sich tausendfach teilen. Innerhalb einiger Stunden, steht so eine Armee bereit, die sehr gezielt und effektiv reagieren kann. 

 

Auf dem unten stehenden Bild, siehst du nochmal den Ablauf der Immunreaktionen (ganz grob & oberflächlich - eigentlich geht noch weitaus mehr ab) . Sie verlaufen teilweise zeitgleich, teilweise zeitverzögert und beeinflussen sich gegenseitig. 

 

 

Immunkomponenten stärken oder hemmen?

 

Was solltest du denn jetzt also tun, um möglichst effektiv Krankheitserreger abzuwehren? Es heißt ja immer, das Immunsystem mit XYZ stärken.

 

Erinner dich nochmal an all die Faktoren zurück, die eine Immunreaktion auslösen. 

Es sind die modernen Herausforderungen, mit denen wir unseren Körper erst seit wirklich kurzer Zeit überfordern.

 

Erinnere dich auch nochmal daran, wie effektiv und stark deine verschiedenen Immunkomponenten auf jede diese Herausforderungen reagieren.

 

Denkst du dein Immunsystem muss zusätzlich gestärkt werden? Es ist bei einem großen Teil der westlichen Bevölkerung dauerhaft aktiv. Was das für Gesundheit und Krankheit bedeuten kann, sieht man leider täglich. Zivilisationserkrankungen nehmen ständig zu. 

 

Willst du dein Immunsystem unterstützen, dann solltest du einfach erstmal alles reduzieren, was es zusätzlich reizt, anstatt alles beim Alten zu belassen und einfach ein Erkältungsmittel oder ein Multivitamin aus der Drogerie nimmst, was nichts nützen wird. 

 

Denn so können sich die Immunkomponenten beruhigen und effektiv auf Pathogene reagieren. 

 

Dass heißt: 

  • Reduziere Lebensmittel, die entzündungsfördernd wirken (zB viel rotes Fleisch, Getreide, Zucker, Soja, Hülsenfrüchte, Omega 6 Fettsäuren und Transfette)
  • Erhöhe Lebensmittel die entzündungshemmend wirken (Omega 3 Fettsäuren, grünes Gemüse, Curcuma)*
  • Achte auf die Qualität deiner Lebensmittel
  • Integriere Nährstoffe in deine tägliche Ernährung, die für deine Immunreaktionen notwendig sind - Eiweiß, Magnesium, Vitamin A, Vitamin B6, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E, Zink, & Selen*
  • Verbringe Zeit in der Natur, am besten Barfuß und ohne dauernd aufs Handy zu schauen
  • Reduziere Stress und baue ganz gezielt tägliche Entspannungszeiten ein
  • Bewege dich täglich, vor allem wenn du einen sitzenden Beruf hast mindestens ein mal pro Stunde 
  • Bewegung & Trockenbürsten täglich regen den Lymphfluss an. Der kommt nur durch Muskelaktivität in Gang und transportiert damit effektiv Immunzellen zu den Lymphknoten und sorgt für Austausch von Gewebsflüssigkeit und Abfallstoffen
  • Esse maximal 3 Mahlzeiten pro Tag mit einem großen Anteil an Gemüse, Protein und etwas Fett
  • Wenn du krank bist, dann bleib im Bett und lass deinen Körper in Ruhe arbeiten. Du weißt jetzt, was dein Immunsystem alles leistet und wie viel Energie es dazu braucht. Diese Energie für Heilung fehlt, wenn du dich den Signalen widersetzt und krank auf die Arbeit gehst
  • Streiche das Wort Diät - Diese Veränderungen sind nicht für eine Woche oder einen Monat, sondern eine Form der Lebesstilumstellung und sollten von Dauer sein

 

* hierzu folgt ein weiterer Artikel 

 

Sei dir darüber bewusst, dass dein tägliches Verhalten deine Gesundheit beeinflusst. Du spürst es vielleicht noch nicht heute als Krankheit, aber die treten auch nie von heute auf morgen auf. Krankheiten entstehen über Monate oder Jahre.   Heute nimmst du vielleicht an, dass es normal sei täglich schlapp und müde ohne viel Energie durch den Tag zu gehen, Schmerzen zu haben und Medikamente zu nehmen. Aber dass ist es nicht.

Es sind erste Anzeichen davon, dass dein Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist und es nicht schafft es wieder herzustellen. 

 

Dein Verhalten heute, garantiert dir deine Gesundheit von morgen. 

 

DAS war meine erste, oberflächliche Mindmap zum Thema Immunsystem und wodurch es beeinflusst wird. Denkst du immer noch etwas Grippostadt C, ist die Lösung wenn du mal krank bist und sonst brauchst du nichts für deine Gesundheit zu tun?
DAS war meine erste, oberflächliche Mindmap zum Thema Immunsystem und wodurch es beeinflusst wird. Denkst du immer noch etwas Grippostadt C, ist die Lösung wenn du mal krank bist und sonst brauchst du nichts für deine Gesundheit zu tun?

Wie hat dir der Artikel gefallen?

Ich habe wirklich nur das Notwendigste und Oberflächlichste erwähnt, um dich nicht zu sehr zu verwirren. Ich hoffe, du konntest dem Ganzen dennoch folgen.  

 

Dass heißt aber auch, hier fehlt noch eine Menge. Um diesen Artikel nicht noch länger zu machen, werde ich mehrere Beiträge zum Immunsystem schreiben und versuchen, sie alle verständnisvoll zu verfassen, sodass du auch etwas verstehst, ein das ein ganz neues Thema für dich ist.

 

Bitte bedenke, die Artikel ersetzen keinen Besuch beim Arzt. 

 

Hast du Fragen, Ergänzungen oder andere Anmerkungen? Lass es mich gerne wissen, ich freue mich auf dein Feedback! 

 

Du willst gerne etwas Verändern, weißt aber nicht wie oder wo du anfangen sollst? 

Dann melde dich bei mir und ich zeige dir den Weg im GOOD LIFE Coaching.

 

Viele Grüße und bis bald,

Food - und Healthcoach Chantal 


Quellen

 

Andrea Kamphuis (2018). Das Autoimmunbuch. 

Leo Pruimboom, Daniel Reheis, Martin Rinderer (2017). Das Wirk Koch Buch. 

Leo Pruimboom (2017). The multiple faces of the human immune system. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0