Tickst Du noch richtig?

 

Wie hast du die Zeitumstellung "verkraftet"?

Bestimmt hast du dich etwas aus dem Takt geworfen gefühlt. Genau das passiert, wenn die innere Uhr, nicht mit dem Umfeld übereinstimmt. Es entsteht ein Minijetlag. 

 

Die kürzer werdenden Tage, die kälteren Temperaturen und das geringere Nahrungsangebot sind natürliche Signalgeber für jeden Organismus. Sie leiten z.B. bei Tieren die Phase des Winterschlafes ein. Und auch, wenn wir Menschen nicht den ganzen Winter durchschlafen, ist uns eher danach im Bett zu bleiben, alles etwas ruhiger anzugehen, wir fühlen uns träge und  sind früher müde.

 

Der Jahreszeitenwechsel wird unterbewusst wahrgenommen und unser System stellt sich eigentlich auf Kälte, weniger Kohlenhydrate (im Winter wächst hier kein Obst) und mehr Schlaf (es wird früher dunkel - Dunkelheit = Schlafen) ein. Allerdings behält unser Umfeld die Verhältnisse  bei und wir müssen uns daran anpassen.

 

Unserem Körper im Winter den Sommer vorzugaukeln, wird uns ja relativ leicht gemacht. Wofür gibt es schließlich Licht und Heizungen? Mittlerweile sind wir unabhängig von äußeren Einflüssen - können arbeiten und wach bleiben so lange wir wollen,  müssen uns dank Temperaturregler nicht mehr den Minusgraden anpassen und bekommen im Supermarkt auch im Winter Tropenfrüchte, die hier unter den winterlichen Verhältnissen nie wachsen würden.

 

Aktivität und Stress in einer Jahreszeit, in der sich der Körper eigentlich eher nach Entschleunigung und Regeneration sehnt. Diese naturferne Lebensweise wirkt sich, wer hätte es gedacht, natürlich auf unseren Organismus aus.

 

Gesundheit braucht Rhythmus

Unser Organismus ist ein Wunder - in jeder Sekunde finden unzählige Reaktionen statt, die uns am Leben halten. Dabei braucht jede Zelle das Kommando, wann was zu tun ist, damit alles kontrolliert und koordiniert von statten geht und kein Chaos entsteht.

 

Bei Helligkeit musst Du wach sein, bei Dunkelheit schlafen können. Hunger signalisiert den Zeitpunkt zur richtigen Nahrungsaufnahme und Sättigung, wann der Körper genug hat. Stress hilft dabei in heiklen Situationen reaktionsfähig bleiben zu können, Entspannung sollte einkehren sobald die "Gefahr" vorüber ist. All diese Reaktionen haben in der Vergangenheit für das Überleben gesorgt und die Entwicklung zum heutigen Mensch ermöglicht. Jede Funktion hat zu einer gewissen Tageszeit ihren Höhepunkt, sodass der Organismus gleichzeitig energiesparend, effizient und leistungsfähig sein kann.

 

Alle Lebensvorgänge erfolgen in Form von Rhythmen und sollten sich immer die Waage halten, wobei eine ständige Anpassung dieser inneren Abläufe an äußere Reize und Umstände stattfindet. Alle Prozesse im Organismus werden damit zeitlich optimiert und aneinander angepasst - alles geschieht zur richtigen Zeit.

 

Das Signal für die richtige Zeit, erhält unser Organismus von unserer Umwelt - Licht, Temperatur und Nahrung sind die wichtigsten Zeitgeber für unsere inneren Rhythmen.

 

Sonnenlicht oder Dunkelheit, Wärme und Kälte, saisonale und regionale Ernährung und direkter Kontakt zur Natur - davon sind unsere Gene geprägt und darauf sind unsere Zellen angewiesen, um so arbeiten zu können, wie sie sollen.

 

Bildquelle: Better Body Better Brain, Anja Leitz 2016 Jede Zelle hat eine eigene Uhr, die sich mit allen anderen abstimmt. Alle werden durch die "Masterclock" im Gehirn gesteuert. Diese Uhren steuern die inneren Rhythmen und bestimmen, wann was geschieht
Bildquelle: Better Body Better Brain, Anja Leitz 2016 Jede Zelle hat eine eigene Uhr, die sich mit allen anderen abstimmt. Alle werden durch die "Masterclock" im Gehirn gesteuert. Diese Uhren steuern die inneren Rhythmen und bestimmen, wann was geschieht.

Die innere Uhr

 

Licht reguliert extrem effektiv die innere Uhr und wird über die Haut und die Augen aufgenommen. Das spannende daran: In den Augen gibt es spezielle Rezeptoren, die die Einwirkung von Licht und die Art &  Zusammensetzung (Spektrum und Wellenlänge) des Lichtes wahrnehmen. Die Rezeptoren in den Augen haben eine direkte Verbindung zum Hypothalamus im Gehirn.

 

Der Hypothalamus arbeitet in diesem Zusammenhang als Regulator aller inneren Rhythmen und fungiert damit als Uhr (oft als Masterclock bezeichnet) für den Organismus. Diese Region des Gehirns steuert lebenswichtige Funktionen, wie den Wach-Schlaf-Rhythmus, die Atmung, Hunger und Durst, Sexualität, Blutdruck, Pulsschlag und Körperwärme. 

 

Der Hypothalamus arbeitet wie ein Dirigent und bestimmt den Klang des Orchesters Körper. Erhält der Dirigent falsche Noten, gibt er falsche Signale an das Orchester weiter. Die Musiker sind auf ein anderes Stück vorbereitet und reagieren verwirrt oder mit falschen Tönen. Manche Musiker spielen direkt auf Anweisung und ein Missklang sowie Chaos entstehen.

 

Vereinfacht gesagt: Jedes Signal, dass unser Gehirn erhält, wird in Informationen und "Arbeitsanweisungen" umgewandelt und an weitere Organe des Körpers geleitet. Dort werden Folgereaktionen ausgelöst und zwar immer.

 

Das Signal Licht führt im Gehirn zu der Reaktion "es ist Tag", mit den entsprechenden Kettenreaktionen. 

Stresshormone (Cortisol, ACTH) werden kontrolliert ausgeschüttet, um uns aktiv und wach zu machen. Normalerweise geschieht dies durch innere Rhythmen, zur Zeit des Sonnenaufgangs gegen 6 Uhr. Am vormittag wirkt Licht positiv aktivierend und macht uns agil für den Tag. 

 

Wird das natürliche Licht gegen Ende des Tages immer weniger und rötlicher (Abendrot), produziert der Körper Melatonin, ein Schlafhormon und wir werden müde. Die Phase der Erholung und Regeneration wird eingeleitet.

Licht ist nicht gleich Licht

Was passiert, wenn wir den ganzen Tag bis spät in den Abend von allen Seiten mit Kunstlicht bestrahlt werden und direkt hineinschauen (PC, TV, Smartphone)? Vielleicht kannst Du es Dir schon denken...

 

Das künstliche Licht ist ganz anders zusammengesetzt, als das natürliche Licht der Sonne. Leuchtstoffröhren, LED's oder Energiesparlampen enthalten nicht alle Farben des Sonnenlichtes, dafür andere in zu hohen Dosierungen.

 

Blaue Lichtanteile signalisieren dem Körper "Tag", machen wach, unterdrücken die Melatoninproduktion und steigern die Stresshormonproduktion. Blaulicht ist in künstlichen Lichtquellen in höchsten Konzentrationen vertreten.

 

Rote Lichtanteile, die dem Körper das Signal der Dämmerung vermitteln und zur Ausschüttung von Melatonin beitragen, fehlen in diesen Lampen fast gänzlich. Melatonin ist ein unverzichtbares Hormon, das in der Nacht zur tiefen und nachhaltigen Regeneration beiträgt.

 

Störungen in diesem empfindlichen Hormonsystem können unter anderem zu Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Schwächung des Immunsystems und häufigen Erkrankungen, Übergewicht, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen uvm. führen.

 

 

Wie hier links im Bild zu sehen, ist das Lichtspektrum des Sonnenlichts komplett und alle Farben sind vertreten. 

Glühlampen sind dabei näher an diesem natürlichen Spektrum der Sonne, als LED'S oder Energiesparlampen, deren Spektren unvollständig sind und vor allem viel Blau enthalten.

 

 

Gesundheitlich sind die künstlichen Lichtquellen, denen wir rund um die Uhr ausgesetzt sind, eine Katastrophe. Das blaue Licht in Bildschirmen führt nicht nur zu schlechtem Schlaf, sondern schädigt auch die Zellen in der Netzhaut. Die Zellen dort stehen dann unter enormen Stress und freie Radikale werden gebildet, was kurzfristig zu Augenbrennen und schlechterem Sehen oder Kurzsichtigkeit führt. Langfristig können grauer Star oder Makula-Degeneration entstehen, die bis zur Erblindung führen können. 

Auch die Produktion von Dopamin wird verhindert - Motivation, Denkprozesse, Stimmung, Essverhalten und vieles mehr, werden durch dieses Hormon gesteuert.

 

Hormonstörungen und Erkrankungen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Infektanfälligkeit, Übergewicht, Diabetes etc. sind selbstgemachte Erkrankungen. Unser Körper reagiert auf unser Umfeld und auf Signale denen wir uns aussetzen. Heutzutage lässt es sich kaum vermeiden, negativen Faktoren aus dem Weg zu gehen. Arbeitszeiten sind nunmal vom Arbeitgeber festgelegt und künstlichem Licht sind wir nahezu überall ausgeliefert - beim Einkaufen, beim Autofahren, zu Hause, auf der Arbeit, bei Freunden und Familie, selbst Nachts durch die Straßenbeleuchtung oder Leuchtreklame. 

"Dann kann ich eine Veränderung ja auch gleich lassen ... Viel zu kompliziert, daran etwas zu ändern", denkst Du jetzt vielleicht. 

 

Kunstlicht reduzieren

 

Beuge vor

- Tausche deine Lichtquellen zu Hause aus - im Internet gibt es immer noch Glühlampen aus Restbeständen zu kaufen

- Hinterfrage, ob es wirklich notwendig ist, abends unter Vollbeleuchtung im Wohnzimmer zu sitzen 

- Nutze lieber Kerzen als Lichtspender, der Kerzenschein ist sowie viel gemütlicher. ;-)

- Vermeide TV, Smartphone oder PC nach Sonnenuntergang 

 

Schütze Dich

- Blaulichtfilter für PC oder Smartphone reduzieren das Blaulicht in den Bildschirmen. Die Software f.lux oder der NIghtshift Modus bei Apple Geräten sind kostenlos erhältlich. 

- Einen Schritt weiter machst Du mit sogenannten BlueBlocker Brillen, die ebenfalls blaues Licht filtern und den Einfall in die Augen stark reduzieren. Bei langer Bildschirmarbeit und nach Sonnenuntergang macht das Tragen solcher Brillen definitiv  sinn. Es trägt wesentlich zu einem gesünderen Hormonhaushalt und vor allem zu besserem Schlaf bei. 

- Informiere Deine Familie und Freunde über die Auswirkungen von künstlichem Licht, vielleicht kannst Du sie ebenfalls davon überzeugen, Ihr Lichtumfeld zu verändern 

- Spreche das Thema bei deinem Arbeitgeber an - Vielleicht gibt es die Möglichkeit von Gleitzeit oder Heimarbeit. Vor allem bei Büroarbeit sollte der Bildschirmfilter auf den PC's installiert werden. Leider ist dieser nicht der heilige Gral, denn das Farbspektrum ist trotzdem nicht komplett. Mach konkrete Vorschläge zum Auswechseln der Leuchtmittel und Einführen von BlueBlocker Brillen als Arbeitsschutzmittel, die dann vom Arbeitgeber gestellt werden

 

Meiner Meinung nach sollte es für Schichtarbeiter, Büroarbeiter und jeden der gegen seinen inneren Rhythmus arbeiten muss, sowieso spezielle Maßnahmen in Form von betrieblicher Gesundheitsförderung geben. Wem ist denn schon bewusst, was er sich, seiner zukünftigen Gesundheit und der Leistungsfähigkeit, mit diesen Verhältnissen antut?

 

Natürlich gibt der Körper entsprechende Rückmeldungen - wir fühlen uns schlapp und energielos, sind schnell gereizt,  schlafen schlecht und unter der Oberfläche beginnt es bereits zu brodeln. Leider werden diese Signale fast immer ignoriert oder mit Medikamenten ruhig gestellt. Bis es irgendwann dann zum Zusammenbruch des Systems kommt, weil die inneren Rhythmen komplett aus dem Gleichgewicht geraten sind. 

 

Und nicht nur finanzielle Entschädigung für jeden Spät- oder Schichtarbeiter, sondern auch für Büroarbeiter oder die Arbeit nach 17 Uhr im Winter, sollten im Arbeitsschutzgesetz eindeutig geregelt sein. Jedem der durch den Job gegen die eigene Gesundheit arbeitet, sollte ein Ausgleich geboten werden - durch höhere Bezahlung, Arbeitszeiten Ausgleich, entsprechenden Angebote während der Arbeitszeit oder den Zugriff auf Arbeitsschutz und das nicht nur in Form von Kleidung, sondern für alle Risikofaktoren (Licht, Sitzen, Nahrung, arbeiten gegen den eigenen Rhythmus etc.).

 

Das heißt außer Bildschirmfiltern und BlueBlocker Brillen, sollten auch Stehschreibtische, ein ausreichend großer und angenehmer Pausenraum, angepasste Arbeitszeiten, gesunde Mahlzeiten und Tageslicht zur Verfügung stehen.

 

FAZIT

 

Du siehst, Deine Gesundheit wird durch so viel mehr beeinflusst, als durch ein paar Stunden Sport in der Woche oder gesunden Mahlzeiten. Beides trägt als wichtiger Signalgeber zum Funktionieren der inneren Rhythmen bei. Diese werden maßgeblich durch unsere Umwelt beeinflusst, allen voran von Lichteinflüssen die über die Augen und die Haut aufgenommen werden und unserem Verhalten mit oder gegen den Rhythmus der Natur.

 

Nur wenn die Masterclock im Gehirn die richtigen Signale erhält, können weitere Informationen richtig weitergegeben werden und nur dann greift jedes Zahnrad zur richtigen Zeit ins andere. Wenn dieses feine System aus dem Gleichgewicht gerät, ergeben sich eine Vielzahl an Verschiebungen in den inneren Rhythmen und daraus entstehen zuerst kurzfristige Beschwerden, die sich, wenn sie ignoriert werden, zu ersthaften Erkrankungen entwickeln können. Wir haben dann das Gefühl aus dem Takt zu sein oder den Lebensrhythmus verloren zu haben. Die inneren Uhren ticken nicht mehr richtig. 

 

In vielen Situationen haben wir keinen Einfluss auf diese negativen Faktoren - Beleuchtung in der Stadt, an Autos, auf der Arbeit, bei Freunden und Familie zu Hause u.ä. - überlege welche von den oben genannten Punkten du in solchen Momenten umsetzen kannst. Als nächstes Gastgeschenk bei Verwandten oder Freunden, wäre ja eine 10er Packung Glühbirnen hilfreich :P

 

Wie sieht es denn aktuell bei Dir aus? Hast Du auch das Gefühl, du bist aus dem Takt? Schläft Du gut oder hast Du Einschlaf/Durchschlaf-Probleme? Bist Du morgens erfrischt und wach oder fühlst Du dich platt und energielos? Hast Du zu ungewöhnlichen Zeiten Hunger (Spätabends oder Nachts) oder fehlt Dir das Hunger / Sättigungsgefühl? Musst Du Nachts auf Toilette oder hast vermehrt Lust auf Süßes? 

 

Das alles sind Anzeichen für einen aus dem Gleichgewicht geratenen Rhythmus. Die Organe arbeiten zu anderen Zeiten, als es der natürliche Rhythmus eigentlich vorgibt. Dein Körper stimmt alles auf einander ab, wie ein Dirigent im Orchester. Alles geschieht zu seiner Zeit - aber nur wenn die richtigen äußeren Signale, zur richtigen Zeit aufgenommen werden.

 

Gib mir gerne ein Feedback, wie Dir der Artikel gefallen hat und ob Du Auswirkungen oder Veränderungen durch solche Umweltfaktoren spürst. Hast du Ergänzungen zu dem Thema? 

 

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Bis bald und viele Grüße, 

Chantal 


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